Hoetmar, Nordrhein- Westfalen, Deutschland

Hoetmar, ein Ort mit knapp 2.300 EinwohnerInnen, liegt im Münsterland in Nordrhein-Westfalen und ist ein Ortsteil der Stadt Warendorf. Die Siedlung hat einen gewachsenen Ortskern im Umfeld der St. Lambertus-Kirche mit etlichen kleinen Bauerschaften in der umgebenden Flur. Die Anbindung nach Warendorf und zu den umliegenden regionalen Zentren ist sowohl über den öffentlichen Verkehr als auch das Straßennetz gut. Lücken im Nahverkehr werden durch einen beispielhaften ehrenamtlichen „Bürgerbus“ geschlossen. Zwar gibt es knapp 500 Arbeitsplätze in Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe, dennoch müssen etliche BewohnerInnen in die nährere Umgebung auspendeln. 

Überdurchschnittlich stark ausgeprägt ist das Vereinsleben. Es gibt über 20 Vereine mit bis zu 1.000 Mitgliedern, durchschnittlich ist jeder Hoetmarer Mitglied in vier Vereinen, die vielfach auch zivilgesellschaftliche Aufgaben übernehmen: Der Sportverein ist beispielsweise Träger der Grundschule, die eine offene Ganztagsschule ist. Vereine dienen oft auch als Impulsgeber und Promotoren des Entwicklungsprozesses. So begannen 2010 Akteure des Heimatvereines in einem ergebnisoffenen Prozess gemeinsam ein Dorfentwicklungskonzept zu erstellen. Highlights aus den mehr als 30 verschiedenen größeren und kleineren Maßnahmen sind der Bürgerbus, der Gewerbekreis und die Dorfwerkstatt, die 2011 als koordinierendes Gremium gegründet wurde. Diese ist offiziell kein Verein, aber für jeden in Hoetmar offen und von allen anerkannt. Sie treibt Projekte voran und motiviert nachhaltig die BürgerInnen, indem sie sie in Planung, Entscheidung und Umsetzung einbindet. Das Motto „Wir sind das Dorf“ drückt das bestens aus. 

Vor dem Hintergrund der starken Dorfgemeinschaft wurden in Hoetmar zahlreiche Projekte realisiert: Der Wieningerbach im Ortszentrum wurde renaturiert, die Kleinholzallee bepflanzt, der bereits erwähnte Bürgerbus mit rund 40 ehrenamtlichen Fahrern und 7.500 jährlichen Fahrten sorgt für mehr Mobilität, die alte Stellmacherei wurde als soziales, kulturelles und erlebnispädagogisches Zentrum instand gesetzt, das baufällige „Läutehaus“ zum „Leutehaus“ in eine zentrale Informations- und Anlaufstelle umfunktioniert, ein Generationenplatz als Spiel und Begegnungsstätte für Alt und Jung geschaffen, die offene Ganztagsschule um ein von Ehrenamtlichen getragenes Kreativprogramm erweitert und vieles mehr.

Dieses bunte Bündel an Maßnahmen entspricht auch dem in der Dorfwerkstatt erarbeiteten Leitbild mit den Kapiteln „Dorf und Lebensraum“, „Nachhaltiges Hoetmar“, „Kommunikation und Engagement“ sowie „Dorf und Gemeinschaft“. Weitere Schwerpunkte sind wirtschaftliche Entwicklungen und Initiativen, soziales und kulturelles Leben sowie Grüngestaltung und Landschaft.

Die besondere Leistung Hoetmars liegt darin, als Ortsteil einer zusammengelegten Kommune die verlorene Eigenständigkeit durch die Bildung einer starken und breiten Dorfgemeinschaft auszugleichen und über ein beispielhaftes zivilgesellschaftliches Engagement aus eigener Kraft das Zusammenleben und die Lebensqualität des Ortes durch Bündelung aller Kräfte und Ressourcen selbst zu gestalten. Gesteuert und koordiniert werden die Projekte in einer gut vernetzten Dorfwerkstatt. Besonders bestechen die offene Schule und das darum herum gestaltete Umfeld als Drehscheibe für die Begegnung von allen gesellschaftlichen Gruppen, das hohe ehrenamtliche Engagement und der beispielhafte Umgang mit und die Integration von AsylwerberInnen.

Hoetmar wird mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität ausgezeichnet.