Saint-Martin, Kanton Wallis, Schweiz

Die Gemeinde St-Martin mit ihren rund 950 EinwohnerInnen liegt auf 1.400 m Seehöhe, etwa 15 km südöstlich von Sion, der Hauptstadt des Kantons Wallis. Sie umfasst neun Dörfer auf einer Gesamtfläche von knapp 3.700 ha. Im Detail sind 2,3 % der Siedlungsfläche gewidmet, 43 % mit Wald bedeckt und 33 % werden für die Berglandwirtschaft mit Milch- und Käseproduktion genutzt. Zwischen 1970 und 1990 ging die EinwohnerInnenzahl um 13 % zurück und konnte seither stabilisiert werden. Eine Besonderheit stellen die rund 1.300 Zweitwohnungen dar, von denen 600 vermietet sind.

Der Entwicklungsprozess von St-Martin wurde 1988 in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation und induziert durch ein Schlüsselerlebnis gestartet: Die Ablehnung eines geplanten intensiv-touristischen Projektes durch eine übergeordnete Behörde löste einen breiten Nachdenkprozess über die Entwicklung der Gemeinde aus, in den die BürgerInnen integriert waren und wo regionale Kooperationen eingegangen wurden.

Im baulichen Bereich versuchen die Gemeinde und auch initiative Privatpersonen als primäre Maßnahme, die leer stehenden Gebäude, die zu Ruinen verfallen, unter Erhaltung der authentische Architektur wiederaufzubauen. Um der Zersiedelung Einhalt zu gebieten, wurden rund 30 % der Fläche aus der Bauzone, die Streusiedlungen vorbehalten war, umgewidmet. Das zweite Standbein des Entwicklungskonzepts bildet der Fremdenverkehr, speziell Agrotourismus und sanfter Tourismus.

Generell erfolgt die Entwicklung in fünf miteinander vernetzten Stufen. Erste Umsetzungen des Planes sind unter anderem der Neubau einer Herberge, eine neue Siedlung, der Wiederaufbau eines Weilers sowie die Errichtung eines Agrotourismuszentrums und ausgeschilderter didaktischer Wanderwege. Die Forstwirtschaft wird durch einen Bewirtschaftungsplan gesteuert, der sich nach dem Energiebedarf der Bevölkerung richtet. Insbesondere wird Wasser zur Energiegewinnung genutzt, die Erlöse aus der Elektrizitätserzeugung stellen eine wesentliche Einnahmequelle der Gemeinde dar.

In Kooperation mit den Nachbargemeinden und der angrenzenden Region wird an der Errichtung eines grenzüberschreitenden Naturparks gearbeitet. Ziel ist es, „Biosphärengebiet“ zu werden, wobei das Potenzial eines künftigen Naturparks bereits jetzt mit der Schaffung von erlebnispädagogischen Angeboten genutzt wird. Auch die Wiederherstellung der Bewässerungsgräben (Bisses) in den alpinen Außenbereichen der Gemeinde verdient Beachtung.

Das soziale und kulturelle Leben wird großgeschrieben. Zeugnis davon geben die vielen Sport-, Musik- und Gesangsvereine sowie verschiedene andere Vereinigungen wie etwa der Seniorenclub, der Gestaltung, Pflege und Betrieb des neu angelegten Weinbergs gewährleistet. Zu erwähnen ist auch das geplante „Generationenhaus“, in dem Alt und Jung unter einem Dach zusammen leben sollen. Eine Besonderheit stellt eine Privatinitiative zur Wiederbelebung der auf Kräutern der Region basierenden Medizin- und Heilungskenntnisse dar.

St. Martin wurde für den beispielhaften Umgang mit dem Kulturerbe und den natürlichen Ressourcen, das Engagement für den Erhalt der traditionellen Land- und Forstwirtschaft, die Forcierung des sanften Tourismus sowie die Vielzahl an kulturellen und sozialen Aktivitäten mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung ausgezeichnet.