Brontallo, Kanton Tessin, Schweiz

Brontallo liegt im Maggiatal, einem Zufluss des Ticino, und gehört zur Gemeinde Lavizzara. Der kleine Ort, der bis 2004 eine eigenständige Gemeinde war, zählt 60 EinwohnerInnen. Der Sog des Hauptortes Locarno und die extremen Erschwernisse der bergbäuerlichen Wirtschaftsgrundlage drohten auch Brontallo in einen auslaufenden Wohnstandort inmitten einer verfallenden Kulturlandschaft zu verwandeln. Diesen Trend erkennend wurde die Stiftung „ProBrontallo“ eingerichtet, die mit hauptsächlich fachlicher, aber auch finanzieller Unterstützung der eidgenössischen und kantonalen Landwirtschaftsverwaltung ein umfassendes Agroprojekt konzipiert und in Angriff genommen hat.

Auf Basis einer verbesserten Infrastruktur, etwa einer modernisierten Wasser- und Stromversorgung im Ort mit Anbindung ausgewählter Maiensässen und neuer Transportwege, wurde eine Vision von qualitätsvollem Agrotourismus entwickelt, der sich als Ersatz- und Begleitökonomie zur traditionellen Landwirtschaft versteht.

Demgemäß sind die Maßnahmen des Projektes, das Pilotcharakter hat, nicht nur vielfältig und umfangreich, sondern auch von einer engen Vernetzung von Landwirtschaft und Tourismus gekennzeichnet. So wurden beispielsweise die „Graa“, eine Anlage zur Trocknung von Edelkastanien, und die Kastanienmühle wieder in Stand gesetzt sowie die Kastanienhaine gesäubert und durch Veredelung rentabler gestaltet, so dass beweidbares Land zurück gewonnen werden konnte. Auch neue Ziegenställe wurden gebaut, um die Produktion des schmackhaften Formaggini (Ziegenkäse) steigern zu können. Den Pergolareben wurde wieder Raum gegeben, womit auch die Renovierung eines Kellers zur Grappaerzeugung und die Instandsetzung der Trockensteinterrassen einher gingen.

Besondere Erwähnung verdient auch der Ausbau einzelner „Rustici“, traditioneller Turmhäuser mit Steinplattendächern, zu vermietbaren Ferienwohnungen. Die Aktivitäten und Initiativen in Brontallo zielen auf die Erhaltung der einzigartigen Kulturlandschaft als wesentlichen Identifikationsfaktor, aber auch als wertvolles Kapital für den Tourismus ab, der wiederum den Bauern neue Einkommensquellen durch Direktvermarktung regionaler Erzeugnisse und Beherbergung der Gäste erschließt.

Mehr als die Hälfte der Stiftungsmitglieder „ProBrontallo“ wohnt nicht im Ort und stammt auch nicht von dort. Dies darf als Zeichen von regionaler Beachtung, Zustimmung und privatwirtschaftlicher Unterstützung gelten.

Brontallo ist es auf bemerkenswerte Weise gelungen, seinem scheinbar vorgezeichneten Schicksal Paroli zu bieten und durch ein vernetztes, qualitätsolles Maß nahmenpaket einen zukunftsfähigen Agrotourismus zu entwickeln. Dafür wurde Brontallo mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ ausgezeichnet.