Dolenja vas, Slowenien

Hauptort besteht aus sechs Einzeldörfern und hat insgesamt 930 EinwohnerInnen. Politisch gehört sie zur Gemeinde Krško (25.000 EinwohnerInnen) in der Region Srednjeposavje, liegt am linken Ufer der Save und ist zum großen Teil bewaldet und reich an Trinkwasserquellen.

In unmittelbarer Nähe befindet sich das Kernkraftwerk Krško, das einerseits die Landschaft dominiert und die Möglichkeiten der Landnutzung begrenzt, andererseits aber den EinwohnerInnen zahlreiche Arbeitsplätze bietet. Der Kiesabbau im Savetal hatte negative Auswirkungen auf die Landschaft, hinterließ große Flächen, die anschließend als Mülldeponie genutzt wurden. Inzwischen gibt es mehrere Projekte zur Renaturierung dieser Gebiete, mit der positiven Folge, dass daraus etwa bereits ein anerkanntes Vogelschutzgebiet entstanden ist.

Dolenja vas hat eine sehr reiche Historie. Das Gebiet wurde schon von den Illyrern und Kelten besiedelt, mehrere Hügelgräber aus dem Jahre 1700 v. Chr. bezeugen dies. Während des Zweiten Weltkrieges war das Gebiet besetzt, viele Familien wurden deportiert. Die Wiederbelebung des Dorfes nach dem Krieg schweißte die BewohnerInnen eng zusammen; dies ist bis heute in vielen Bereichen des Dorflebens sichtbar.

Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle für das Landschaftsbild, den Schutz des Kulturerbes und für das ökologische Gleichgewicht. Sie ist durch eine Vielzahl klein bäuerlicher Betriebe, von denen sich einige auf Obst- und Weinbau spezialisiert haben, mit niedrigen Einkommen und Erträgen gekennzeichnet. Die Bestrebungen der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe, die im Einklang mit Natur und Landschaft wirtschaften, werden durch die starke Heimatbindung der erwerbsaktiven Bevölkerungsgruppe gefördert.

Größter Arbeitgeber ist das Kernkraftwerk. Eine regionale Entwicklungsagentur unterstützt die Schaffung von Arbeitsplätzen durch verschiedene Projekte. Beispiele für Initiativen und Einrichtungen zur Erschließung neuer Erwerbsmöglichkeiten sind neben anderen eine (Wasser-)Sport- und Erholungsanlage, Umschulungsmaß nahmen –auch in Richtung neue Selbständigkeit –, ein Fahrsicherheits- und Fahrtechnikzentrum und der Business Park Vrbina, wo mehr als 800 neue Arbeits Plätze geschaffen werden sollen.

Der Gemeinschaftsgeist der BewohnerInnen manifestiert sich in einem reichen kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Besonders aktiv ist der Kulturverein Tarek, dem ein Frauenchor, eine Laientheatergruppe, eine Literaturgruppe und eine Volksgesangsgruppe angehören. Der Kulturverein Libna beschäftigt sich mit der Erhaltung traditioneller handwerklicher Fertigkeiten (Stickerei, Klöppel arbeiten, Malerei, Töpferei). Durch Organisation verschiedener Ausstellungen und Seminare wird das traditionelle Wissen an die junge Generation weitergegeben. In bescheidenem Umfang werden aus der Vermarktung dieser Erzeugnisse auch Nebeneinkommen erzielt.

Ein sehr wichtiger Baustein für die engagierte Dorfgemeinschaft und ihr Vereinsleben ist der Neubau eines multifunktionalen Kulturhauses unter dem Motto „Von Generation zu Generation sucht die Seele ihren Weg“. Damit will die Dorfgemeinschaft unterstreichen, dass neue moderne Infrastruktur die soziokulturelle Entwicklung unterstützen soll. Besonders bemerkenswert und beispielgebend in diesem Zusammenhang ist, dass die notwendigen Investitionen für den Bau dieses Kulturhauses in Höhe von etwa 400.000 € gänzlich aus Eigenmittel und durch Eigenarbeit der GemeindebürgerInnen aufgebracht werden.

Die Bereitschaft, sich für das Wohl ihres Gemeinwesens in hohem Maße privat zu engagieren, zeigt, dass es der Dorfgemeinschaft mehr um ideelle als materielle Ziele geht: Die Erhaltung des kulturellen und historischen Erbes und ein fürsorgliches Miteinander sowie der Transfer von Wissen und Fertigkeiten stehen im Vordergrund und manifestieren sich in einem Gemeinschaftshaus, das allen – der Jugend, den Vereinen, den Alten, der Sozial- und Krankenfürsorge – zur Verfügung stehen und als Anlaufstelle für TouristInnen ebenso wie für Veranstaltungen zur Suchtprävention und Bildungszwecken dienen soll.

Der Wettbewerbsteilnehmer beeindruckt insbesondere im sozialen und kulturellen Bereich, wo auf Basis eines ausgeprägten Bürgerengagements Maßnahmen gesetzt werden, die maßgeblich zur Festigung des dörflichen Gemeinwesens und zur Bereicherung der infrastrukturell bedingten Lebensqualität beitragen. Dolenja vas wurde dafür mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ ausgezeichnet.