Eckstedt, Thüringen, Deutschland

Die Gemeinde Eckstedt liegt im Südosten des Thüringer Beckens im Landkreis Sömmerda. Die Einwohner zahl beträgt ca. 630 und ist innerhalb der letzten zehn Jahre um rund zehn Prozent gestiegen. Im Landkreis Sömmerda ist sie dagegen rückläufig. Die Erwerbsmöglichkeiten im Ort sind heute sehr bescheiden, 250 AuspendlerInnen stehen nur 30 EinpendlerInnen gegenüber. Die meisten OrtsbewohnerInnen sind TagespendlerInnen in die umliegenden Gemeinden und Städte, wobei die Landeshauptstadt Erfurt mit 20 Kilometern am weitesten entfernt liegt.

Hinweise auf die erste urkundliche Erwähnung gehen auf das Jahr 874 zurück. Eckstedt war aufgrund seiner fruchtbaren Böden stets ein landwirtschaftlich geprägter Ort. Bis 1945 bestand hier ein Rittergut mit großen landwirtschaftlichen Flächen, welches im Jahr 1945 enteignet wurde. In der Folge entstanden in den Fünfziger Jahren viele kleine Landwirtschaftsbetriebe rund um den Ortskern. Mit Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft übernahm diese die Rolle des Hauptarbeitgebers, nicht nur in der Produktion, sondern auch durch den Betrieb einer Großküche. Außer dem wurden auf dem ehemaligen Gut eigene Baubrigaden unterhalten sowie eine überörtliche Lehrlingsausbildungsstätte und ein landwirtschaftliches Instandsetzungswerk eingerichtet. Auch 48 Wohnungen im Geschoßwohnbau entstanden. Mit der politischen Wende 1990 verschwand der Großteil der Arbeitsplätze im Dorf. Die BewohnerInnen wur den zu PendlerInnen, Eckstedt verkam zum reinen Schlafdorf.

Mit dem Beginn der Dorferneuerung 1999 konnte dieser Depression entgegengewirkt werden. Es gelang, die BürgerInnen zum Eigenengagement zu motivieren und eine Aufschwungsphase einzuleiten. So gründeten sich viele neue Vereine mit vielfältigen gesellschaftlichen und gemeinnützigen Aktivitäten, in die alle Generationen ganzjährig eingebunden sind. Das ehrenamtliche Engagement hält die Gemeinde in Schwung und bewirkte, dass eine Bibliothek, ein Internettreff, Sport- und Musikgruppen eingerichtet wurden und ständig in Betrieb gehalten werden.

Der Gemeinde gelang es unter tatkräftiger Mitwirkung der Bevölkerung, einige alte, traditionsreiche Gebäude zu sanieren und mit neuen Funktionen auszustatten. Auf diese Weise entstanden das Heimatmuseum, das Dorfgemeinschaftshaus und das Vereinshaus. Auch die eindrucksvolle Barockkirche wurde liebevoll restauriert und wird wegen ihres beeindruckenden Klangkörpers nicht nur für kirchliche Zwecke, sondern vermehrt auch für Konzerte genutzt. Die Wohnblöcke auf dem Gelände der ehemaligen LPG wurden ebenfalls saniert und das Umfeld zu Freizeitanlagen umgestaltet.

Neue Eigenheime entstanden ausschließlich in Lückenbebauung, so dass keine „Neubaughettos“ geschaffen wurden. Auch die Teichsanierung im Schlosspark und dessen Umgestaltung wurden erfolgreich abgeschlossen und genießen bei der Ortsbevölkerung hohe Akzeptanz als gerne besuchte Grünoase.

Eckstedt zeichnet sich allem voran durch eine engagierte Bevölkerung mit großer Bereitschaft zur Eigenleistung und einem reichhaltigen, Generationen umspannenden Vereinsleben aus. Zahlreiche Initiativen und Maßnahmen, insbesondere zur Erhaltung und Neunutzung des baukulturellen Erbes, tragen maßgeblich zu einer Erhöhung der Attraktivität der Gemeinde und der Lebensqualität der BewohnerInnen bei. Dafür wurde Eckstadt mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ ausgezeichnet.