Hügelland östlich von Graz, Steiermark, Österreich

Im Hügelland östlich von Graz haben sich im Rahmen einer im Jahr 2000 gestarteten
LEADER-Gemeinschaftsinitiative ursprünglich 15, inzwischen 24 Gemeinden zu einem regionalen Verbund zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre Zukunft zu gestalten. Das Projektgebiet umfasst insgesamt ca. 28 000 EinwohnerInnen. Das Regionale Entwicklungskonzept zielt im Kern darauf ab, die Gunstlage in unmittelbarer Nähe der steiermärkischen Landeshauptstadt für die wirtschaftliche Belebung in den Bereichen Tourismus, Naherholung und Vermarktung insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich zu nutzen und dabei die eigenständige Identität dieser Region zu wahren und besonders herauszustellen.

Aufgrund ihres landschaftlichen Reizes ist dieses Hügelland östlich von Graz seit jeher Naherholungsgebiet für die Landeshauptstadt. Für die bäuerlich geprägte Landwirtschaft bietet die Versorgung des nahen Zentrums mit landwirtschaftlichen Produkten ein wichtiges und noch ausbaufähiges Vermarktungspotenzial. Günstige Verkehrsanbindungen ermöglichen es PendlerInnen, sich in dieser Region mit relativ kurzen Wegen zur Stadt und zum Arbeitsplatz niederzulassen. Dies führt insbesondere in den zu Graz näheren Gemeinden zu einem sehr starken Siedlungsdruck.

Als Sinnbild, markantes äußeres Merkmal und reales Projekt zur Verdeutlichung der gebietlichen Identität sowie als Aktionsraum für gemeinschaftliche Aktivitäten, die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte und touristische Informationen wurde die Idee regionaler Marktplätze kreiert und zwischenzeitlich größten Teils auch realisiert: durch vier derartige Marktplätze in den Gemeinden Vasoldsberg, Kainbach bei Graz, St. Margarethen an der Raab und Laßnitzhöhe, die jeweils als „Torsituationen“ an wichtigen Zufahrtswegen von Graz her errichtet sind. Für die Gestaltung wurde jeweils die Form eines regionstypischen Achteckstadels gewählt, der das Zentrum des regionalen Marktplatzes bildet. Durch Einbeziehung fachkompetenter RegionalplanerInnen und ArchitektInnen sind so höchst anspruchsvolle neue Ortszentren und Identitätsmerkmale geschaffen worden, deren Funktionsfähigkeit sich vielfach bereits bewährt hat.

Im Projekt „Genussregion Hügelland“ wird gezielt die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte (Brot, Streuobstsorten) forciert. Es basiert auf den Zielen der internationalen „Slow Food-Initiative“, die den bewussteren Umgang mit und die hohe Wertigkeit von Lebensmitteln besonders betont. Hervorzuheben ist dabei der sehr begrüßenswerte Ansatz, die ganze Region auf diese ideelle Zielsetzung auszurichten und damit auch die regionale Identität zu stärken.

Besondere, auch architektonische Highlights bietet Sankt Margarethen an der Raab. Dort entsteht – nach dem Verlust mehrerer Einrichtungen zur Grundversorgung (Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie) – räumlich unmittelbar dem regionalen Marktplatz benachbart mit der sogenannten Hügellandhalle ein multifunktionales Zentrum von überregionaler Bedeutung und damit auch ein neuer dörflicher Mittelpunkt. Höchst beachtenswert ist, dass als Grundlage dafür ein sogar europaweit ausgerichteter Architektenwettbewerb durchgeführt worden ist. Die eingereichten Arbeiten hatten dabei auf das vor einigen Jahren in moderner Bauweise errichtete benachbarte Seniorenheim Rücksicht zu nehmen, das – mit 60 Wohnungen ausgestattet – ebenfalls regionale Bedeutung hat.

Auch die in Einzelfällen bereits erfolgreichen Bemühungen zur Umnutzung leer stehender historischer Bausubstanz verdienen Anerkennung. So wurde z. B. in der Gemeinde Kainbach ein Projekt zur Erhaltung und Umnutzung alter Höfe und Burgen auf den Weg gebracht. Für Österreichs größten Feuerwehrwagenhersteller hat die Gemeinde auf ihre Kosten eine gestalterisch ansprechende Fabrikationshalle erstellt und diesem vermietet.

Die größte Herausforderung für eine insgesamt nachhaltige regionale Entwicklung des Hügellands östlich von Graz stellt zweifellos die gezielte Steuerung der dörflichen und gemeindlichen Entwicklungen im Baubereich dar. Den sehr aktiven verantwortlichen Kräften in den Gemeindeparlamenten sollte es gelingen, durch eine zielorientierte Baulandpolitik die Identität auch in jenen Gemeinden und Dörfern zu wahren, die einem besonderen Siedlungsdruck von Graz her ausgesetzt sind.

Das Hügelland östlich von Graz besticht allem voran durch beispielhafte und herausragende Leistungen im wirtschaftlichen Bereich. Besondere Anerkennung verdienen die erfolgreichen Bemühungen, im Sog der Landeshauptstadt Graz Maßnahmen zur Stärkung der regionalen Identität sowie zu neuer Wertschöpfung in den Bereichen Selbstvermarktung sowie Freizeit und Erholung zu realisieren. Dafür wurde das Hügelland östlich von Graz mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ augezeichnet.