Finsterlohr, Baden-Württemberg, Deutschland

Finsterlohr, ein Dorf mit rund 300 EinwohnerInnen und einer Fäche von 1059 ha, liegt im Gemeindegebiet der Stadt Creglingen im Main-Tauber-Kreis. Es handelt sich um ein fränkisches Haufendorf nahe der romantischen Straße zwischen Rothenburg ob der Tauber und Creglingen.

Ein heruntergekommenes Erscheinungsbild und das Fehlen eines funktionierenden Dorfkerns standen am Beginn des Entwicklungsprozesses, der in unmittelbarem Zusammenhang mit der Planung der Abwasser- und Wassermaßnahmen eingeleitet wurde. Der Ortschaftsrat entwickelte unter großer Beteiligung der BürgerInnen erste Konzepte, um das Dorf für die Zukunft fit zu machen. Eine klare Schwerpunktsetzung erfolgte hinsichtlich des Erhalts und des Ausbaus der Infrastruktur und der Dorfgestaltung. Die Erarbeitung eines Dorfentwicklungskonzeptes mit professioneller Begleitung und unter Einbeziehung der DorfbewohnerInnen bildete die Grundlage für die Umsetzung eines umfangreichen Maßnahmenkatalogs.

Im Rahmen einer zeitgleich durchgeführten Dorfflurbereinigung konnte mit dem Abbruch einsturzgefährdeter Objekte jener städtebauliche Spielraum geschaffen werden, der die Definition einer neuen Ortsmitte erlaubte.

Die Gewährleistung der Grundversorgung nimmt einen hohen Stellenwert ein und fand im Umbau einer alten Scheune zu einem Dorfladen ihren Niederschlag. Die erforderlichen finanziellen Mittel dafür stellten 85 Gesellschafter zur Verfügung, eine zusätzliche Wirtschaftsförderung erfolgte durch die Stadt Creglingen. Der Dorfladen dient auch der Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte aus der Region.

Bemerkenswert sind die Bemühungen um die Innenentwicklung durch die Schaffung von Wohnraum im Dorfbereich, wobei Fachwerkhäuser qualitätvoll renoviert und Umwidmungen von ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäuden erfolgreich umgesetzt wurden. Durch diese Maßnahmen kann Leerstand weitestgehend vermieden werden und es ist in Folge auch zu einer Rücknahme von Baulandausweisungen gekommen.

Eine große Stärke ist die Gestaltung des öffentlichen Raumes, die sich insbesondere in der Umsetzung eines durchgängigen Begrünungskonzeptes zeigt, das sowohl den Ortskern als auch die Ortsränder umfasst. Die Pflanzung standortgerechter, heimischer Pflanzen, Sträucher und Bäume, die von den BürgerInnen selbst durchgeführt wurde, hat zu einem überzeugenden Ergebnis geführt. Durch so genannte „Pflegepartnerschaften“ ist die Pflege der Grünbereiche durch die DorfbewohnerInnen gesichert.

Die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte hat zur touristischen Erschließung eines über 2.000 Jahre alten keltischen Oppidums geführt. Nach der Entwicklung eines umfangreichen Konzeptes wurde der Verein „Keltisches Oppidum Finsterlohr“ gegründet. Über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren wurden unter fachlicher Begleitung durch ArchäologInnen des Landesdenkmalamtes ein Informationszentrum, ein keltischer Lehrpfad, eine Keltenmauer und ein Keltenhaus geschaffen. Das großartige Engagement des Vereins, dessen Mitglieder auch die Pflege der Gesamtanlage ehrenamtlich übernommen haben, ist deutlich spürbar.

Der große gesellschaftliche Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft in Finsterlohr, findet in einem ausgeprägten bürgerschaftlichen Ehrenamt, das viele öffentliche Aufgaben übernimmt bzw. erst möglich macht, besonderen Ausdruck. Sämtliche Projekte haben insgesamt dazu geführt, die Lebens- und Wohnqualität gemäß dem Leitspruch „Dorf mit Potenzial und Engagement“  in hohem Maße zu steigern.

Finsterlohr wurde dafür mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung ausgezeichnet.