Kals am Großglockner, Tirol, Österreich

Die Gemeinde Kals am Großglockner zählt 1.209 EinwohnerInnen und liegt in einem abgeschlossenen Tal in unmittelbarer Nähe zum höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner. Die Gemeinde zählt elf Dörfer und ist rund 30 km von der Stadt Lienz entfernt. Kals liegt in der Hochgebirgslandschaft der Hohen Tauern: Rund 40 Prozent der Fläche sind hochalpin und nicht nutzbar, 35 Prozent sind Almen und 20 Prozent Wälder.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes wurde bis in die 1980er-Jahre durch mehrere Faktoren gebremst: Nach 1945 führten schwere Regenfälle und zahlreiche Lawinenabgänge zu großen Zerstörungen. Schon in den 1950er-Jahren wurden Baupläne für einen Stausee im Dorfertal zur Energiegewinnung entwickelt. Diese Pläne führten nicht nur zu heftigen Auseinandersetzungen, sondern waren auch ein Investitionshemmnis für das gesamte Tal. Erst 1987 kippte die Kalser Bevölkerung in einer Volksabstimmung das Projekt. Heute sehen die KalserInnen die lange Stagnation als Chance: Weil keine Infrastrukturen für einen Massentourismus entstanden sind, kann man nun auf sanften Tourismus setzen. Impulse in Richtung Nachhaltigkeit kamen auch durch den 1981 gegründeten Nationalpark Hohe Tauern. Kals definiert sich in seinem Leben und Wirtschaften als „Partner der Natur“ – und dies ist nicht bloß Lippenbekenntnis, sondern wird in sämtlichen Projekten des Dorfes berücksichtigt.

Seit 1992 hat die Gemeinde durch mehrere moderierte Prozesse den „entleerten“ Dorfkern durch Renovierungen und Neubauten in einer zeitgemäßen Formensprache unter Berücksichtigung der noch verbliebenen Bauten wiederbelebt und ein Zentrum mit hoher Funktionalität geschaffen. Neben dem Gemeindehaus, dem Dorfplatz und dem gotischen Pfarrhaus fällt das zuletzt in Angriff genommene Kulturhaus ins Auge. Für die hohe architektonische Qualität in den neuen öffentlichen Bauten und Räumen wurde die Gemeinde bereits 2008 als österreichische Baukulturgemeinde geehrt.

Die Landschaft ist vielfältig und attraktiv, der Landschaftshaushalt voll intakt. Rund 75 Prozent der Bäuerinnen und Bauern betreiben noch aktive Almwirtschaft. Regionale Produkte werden veredelt und im örtlichen Handwerksladen sowie in der Gastronomie vertrieben. Eine wichtige Akteurin ist die Agrargemeinschaft Kals, die auch für die Forstwirtschaft zuständig ist und in den vergangenen Jahren zunehmend auf den Verkauf von Hackschnitzeln setzte. In der Gemeinde selbst wird Wärme aus zwei Hackschnitzelheizwerken gewonnen, Kleinwasserkraftwerke produzieren Strom.

Das Gemeinschaftsleben wird von zahlreichen Vereinen getragen, denen eine gute Infrastruktur zur Verfügung steht. Besondere Bedeutung wird dabei der Kultur zugemessen, mit dem „Pavillon“ ist es gelungen, eine außergewöhnliche Veranstaltungsstätte zu schaffen, die zu einem Zentrum örtlichen wie auch regionalen Kunst- und Kulturschaffens avanciert ist. Kommunikation, Information und Bildung werden groß geschrieben. Das Mitgestalten und Mitverantworten aller Bevölkerungsgruppen wird durch vorbildliche Beteiligungsprozesse forciert.

Kals am Großglockner ist eine Gemeinde mit einer höchst ansprechenden und reichhaltigen Natur- und Kulturlandschaft, die eine ortstypische Baukultur aufweist. Die BürgerInnen haben eine hohe Sensibilität für ihre Identität, ihre Baudenkmäler und ihre Umwelt. Sie verfügen über klare Analysen, Leitbilder und daraus resultierende Entwicklungskonzepte, um den Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft gewachsen zu sein. Man hat sich in starkem Maße auf eine prozesshafte Weiterentwicklung eingelassen und dabei gleichermaßen auf die Hilfe von verschiedenen ExpterInnen wie auch auf die Teilhabe der Menschen vor Ort gesetzt – und das mit spür- und sichtbarem Erfolg.

Kals am Großglockner wurde daher mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität ausgezeichnet.