Twann-Tüscherz, Kanton Bern, Schweiz

Twann-Tüscherz ist eine Winzergemeinde mit 1.260 EinwohnerInnenn und liegt an einem exponierten Jurasteilhang am Bieler See in der westlichen Schweiz. Von besonderem Reiz sind die unterschiedlichen Landschaftszonen: ein langgezogenes Seeufer mit Bootsanlegestellen und Naturschutzzonen und ebenso langgezogene terrassierte Rebfluren mit Trockensteinmauern am Fuße des bewaldeten Steilhanges. Dank der natürlichen Gegebenheiten und der Nähe zur Stadt Biel hat sich Twann-Tüscherz zu einem attraktiven Winzerdorf entwickelt, wo sich Weintourismus und immer stärker werdender Ausflugstourismus ergänzen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden innovative Projekte umgesetzt. So zum Beispiel gelang eine abschnittsweise Verbauung in hoch verdichteten Reihen- und Terrassenbauten. Auf diese Weise konnte neuer Wohnraum geschaffen werden, obwohl Baulandreserven komplett fehlen. Ein anderes großes Projekt war die Rebflurzusammenlegung mit der äußerst aufwändigen Instandsetzung von unter Schutz gestellten Natursteintrockenmauern.

Seit 2012 wird spürbares Augenmerk auf so genannte „weiche Faktoren“ gelegt: So wird etwa aktiv auf die problematische demografische Entwicklung reagiert, dass nämlich junge Familien zunehmend abwandern und eine deutliche Überalterung der Bevölkerung zu bemerken ist. Besonders drastisch ist dabei der Umstand, dass die älteren Menschen großteils in viel zu großen Häusern leben, die ihren Bedürfnissen nicht gerecht werden. Gleichzeitig finden die Jungen zu wenig Wohnraum vor. Um dem entgegenzuwirken, wurde das sehr innovative Projekt „Engelhaus“ umgesetzt. Ein seit 30 Jahren unbewohntes und baufälliges, aber denkmalgeschütztes ehemaliges großes Winzerhaus im Dorfzentrum wurde erworben und wird nun saniert und revitalisiert. Das Projekt erfüllt gleich mehrere Zwecke: Neben der Erhaltung eines verfallenden denkmalgeschützten Gebäudes im Ortskern und der klugen Umnutzung eines Leerstandes entstehen hier erschwingliche, barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen. Ein Pflegedienstzentrum, Begegnungszonen und  Dienstleistungsangebote für die Gesamtbevölkerung wie eine Fitnessanlage, ein Bistro und Räumlichkeiten für Veranstaltungen sind angeschlossen. So können SeniorInnen bedarfsgerecht im Dorf leben und gleichzeitig werden große Häuser und Wohnungen für die jüngeren Generationen frei.

Eine absolute Stärke von Twann-Tüscherz ist die naturräumliche Ausstattung – vom naturgeschützen Seeufer über die landschaftsgeschützten Rebfluren bis hin zu bewaldeten oder landwirtschaftlich genutzten Hochlagen. Auch die Twannbachschlucht mit ihren Wasserfällen gehört dazu. Diese Erholungs- und Erlebnisvielfalt ist ein Potenzial, das bereits jetzt und künftig noch verstärkt durch die Schaffung von Wanderwegen, Erlebnisangeboten und sonstigen touristischen Attraktionen genutzt wird.

Ein Problem, das nicht nur bewusst ist, sondern an dessen Lösung auch bereits konkret gearbeitet wird, ist der Trassenverlauf von Straße und Bahn entlang des Seeufers. So sind die teilweise bereits erfolgreichen Forderungen an den Bund nach Straßen- und Bahntunnels seit Jahren Thema des Dorfes.
Die Dorferneuerung in Twann-Tüscherz baut sich in nachhaltigen und miteinander vernetzten ökonomischen, ökologischen und sozialen Projekten auf. Sehr beeindruckend und vorbildlich sind dabei das erfolgreiche Erreichen von innovativen und beispielgebenden Lösungen im Spannungsfeld von Denkmal-, Natur- und Landschaftsschutz sowie das Highlight Engelhaus.

Twann-Tüscherz wurde dafür mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung ausgezeichnet.