Prellenkirchen, Niederösterreich, Österreich

Prellenkirchen liegt nahe der Grenze zur Slowakischen Republik in der Region Römerland Carnuntum, besteht aus den Dörfern Prellenkirchen, Schönabrunn und Deutsch-Haslau und zählt rund 2.020 EinwohnerInnen. In unmittelbarer Nähe zum Eisernen Vorhang war der Ort bis zum Jahr 1989 eine strukturschwache Grenzgemeinde. Nun steht Prellenkirchen im Zentrum der aufstrebenden Twin-City-Region Wien-Bratislava, nur 25 km von der slowakischen Hauptstadt entfernt.

Die grundsätzlich gewandelten Rahmenbedingungen stellen eine Herausforderung dar, bieten aber auch neue Möglichkeiten für die zukünftige Gemeindeentwicklung im Speckgürtel dieses slowakisch-österreichischen Ballungsraumes. Unter Bedachtnahme, die eigene Identität zu bewahren und weiterzuentwickeln, wird durch die vorsichtige Ausweisung von Bauland ein begrenzter Zuzug auch für NeubürgerInnen aus der Slowakei ermöglicht.

Die große Sensibilität für den eigenen Lebensraum, das Bewusstsein der dörflichen Identität und die enorme Präsenz der vielfach ortsübergreifend agierenden Vereine führten zu einem soziokulturellen Miteinander, das ein Gemeindeleben auf hohem Niveau ermöglicht. Zuzug und Zweisprachigkeit, Kinderbetreuung und Jugendaktivitäten, gute Freizeitinfrastruktur, reges Vereinsleben sowie zahlreiche Kulturangebote und Brauchtumspflege sind bewusst gesteuerte Denkkategorien in der konzeptionellen Weiterentwicklung des Dorflebens, die im Alltag Spuren hinterlassen.

Aus diesem Bewusstsein für den Heimatort und die Region werden auch die naturräumlichen Besonderheiten behutsam in die zukünftigen Veränderungen eingebunden. Im Rahmen der Gemeindeentwicklung nutzen die Verantwortlichen auch konsequent und sehr erfolgreich die europäischen, nationalen und niederösterreichischen Förderinstrumente für den ländlichen Raum.

Seit Jahren befinden sich Produktion, Veredelung und Pflege im Bereich Landwirtschaft in konstanter Weiterentwicklung. Ein gutes Beispiel für Diversifizierung stellt der Modellbetrieb eines Fleischbauern dar, der sich mit Ferienwohnungen, Hofladen und Solaranlage weitere zusätzliche Standbeine geschaffen hat. Zahlreiche Landwirte setzen seit 2007 auf Biogas- oder Kompostierungsanlagen. Hervorragende Qualitätsweine, die u. a. in einer sehr gepflegten Kellergasse vermarktet werden, gehören zum Aushängeschild der Region. Auch die Neubelebung von Heurigenschanken schafft zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten. Das Projekt der nachhaltigen Hege und Bejagung von Niederwild sowie die Vermarktung von Wildbret erscheinen ebenfalls als beispielhaftes Vorzeigemodell.

Im Tourismus gibt es vorsichtige Ansätze, die Gemeinde als Naherholungsgebiet für den Großraum zu öffnen, wobei der sanfte Tourismus bewusst im Vordergrund steht. Als Klimabündnisgemeinde setzt Prellenkirchen auf die Nutzung alternativer Energien. Für die Errichtung des ersten Windparks kam der Impuls noch von außen. Mittlerweile fördert die Gemeinde aktiv den Ausbau und Einsatz erneuerbarer Energie, wobei vor allem das Windinformationszentrum ein Leuchtturmprojekt darstellt, das überregional und vor allem auch grenzüberschreitend bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen Breitenwirkung erzielt.

Prellenkirchen ist erfolgreich bemüht, regionale Wirtschaftskreisläufe zu induzieren und Alternativenergien nicht nur zu nutzen, sondern auch beispielhaft zu bewerben. . Der Entwicklungsansatz ist nachhaltig und breit aufgestellt, wird von den engagierten BürgerInnen getragen und ist von einer positiven, proaktiven Einstellung zum Leben in einer Grenzregion gekennzeichnet.