Lommersweiler, DG Belgien, Belgien

Der Ort Lommersweiler zählt 250 EinwohnerInnen und liegt landschaftlich reizvoll auf einer Anhöhe, im Osten begrenzt durch das Ourtal, im Westen durch das Tal der Braunlauf. Bedingt durch die Grenzlage gibt es nur wenige Arbeitsplätze und der Siedlungsdruck, vor allem aus dem benachbarten Luxemburg, ist hoch. Bauland ist kaum vorhanden, so dass kein Zuzug in größerem Umfang möglich ist. Vor allem junge Familien fehlen, weshalb das Problem der „Überalterung“ sich künftig noch verstärken wird, wogegen man mit einer Verbesserung der sozialen Rahmenbedingungen ankämpfen will.

Im Rahmen eines Aktionsplanes wurden, unterstützt von Projektentwicklungsagenturen, Stärken und Schwächen analysiert und Maßnahmen erarbeitet. Eine Arbeitsgruppe mit insgesamt 19 Personen beschäftigt sich mit der konkreten Umsetzung. Wesentliche Schwerpunkte sind das Grünraumkonzept, die Weiterentwicklung von Wohngemeinschaften und das Thema „Mobilität“.

Aufbauend auf diesem Maßnahmenkatalog wurden naturnahe Grünflächen und Blumenwiesen angelegt sowie Natura 2000-Gebiete eingebunden. Nach der Stilllegung und dem Abbau der ehemaligen Bahngleise ist es gelungen, in den Tunnelanlagen ein Winterquartier für die regional vorkommenden Fledermausarten zu sichern. Generell nimmt der Naturschutz in den Tälern der Braunlauf einen großen Stellenwert ein, regelmäßig finden Informationsveranstaltungen statt, bei denen ExpertInnen die Bevölkerung über die aktuelle Situation sowie Initiativen im Bereich Landschaftspflege und Bewirtschaftung der Kulturlandschaften informieren.

Insbesondere für die älteren DorfbewohnerInnen wurde ein Fahrdienst eingerichtet. Mit der Schaffung von Wohngemeinschaften können Menschen mit besonderen Bedürfnissen optimal in das Gemeindeleben integriert werden. Es ist auch gelungen, die Nahversorgung durch mobile Verkaufsläden aufrecht zu erhalten. Für Kinder und Jugendliche wurde eine Betreuung durch DorfbewohnerInnen organisiert, eine Kleinkinderbetreuung ist angedacht. Wanderungen, Leseabende und andere Veranstaltungen runden die Aktivitäten ab. Neun Vereine und zahlreiche Feste tragen wesentlich zur Stärkung der Dorfidentität bei. Mit Unterstützung durch die Vereine und dank des großen Engagements der Bevölkerung konnten auch eine Mehrzweckhalle, der Willibrordusbrunnen, eine Totenkapelle und zahlreiche Kleindenkmäler errichtet werden.

35 Haushalte heizen hauptsächlich mit Holz, einem nachwachsender Rohstoff, der in der Region ausreichend vorkommt. Solaranlagen befinden sich auf acht und Photovoltaikanlagen auf drei Häusern. Bis auf sieben Haushalte klären alle ihr Schmutzwasser selbst.

Um die Entwicklungspotenziale auszuschöpfen, wurden auf den ehemaligen Bahntrassen Radwege angelegt, die auch BesucherInnen in die Ortschaft bringen sollen. Radwanderungen zum Thema Grenzgeschichte informieren über die Entwicklung von Lommersweiler. Für die nächsten Jahre sind die Neugestaltung des Dorfplatzes und die Errichtung einer Wetterstation mit Internetanbindung vorgesehen. Im Zuge einer nachhaltigen touristischen Entwicklung sollen auch Ferienwohnungen entstehen.

Lommersweiler wurde für sein ausgeprägtes soziale Engagement, die umfassende Bürgerbeteiligung und den unter Mithilfe von ExpertInnen erarbeiteten Aktionsplan als Basis für eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der Identität und zur Verbesserung der Lebensqualität der DorfbewohnerInnen sowie für den in Angriff genommenen Aufbau eines nachhaltigen Tourismus mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung ausgezeichnet.