Incourt, Wallonie, Belgien

Die Gemeinde Incourt zählt 5.000 EinwohnerInnen und besteht aus sieben Dörfern und zwei Weilern, die zwischen den wallonischen Feldern und jenen Verkehrsstraßen liegen, die diese Region mit der europäischen Metropole Brüssel und anderen Städten verbinden. Die Lage prägte auch ihre Geschichte, die in den 60er- und 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts von Abwanderung, Suche nach Arbeit in größeren Städten, Industrialisierung, Aufgabe der Landwirtschaft und immer schwächeren sozialen Kontakte in den Dörfern gekennzeichnet war.

Die Bewohner der Gemeinde Incourt waren sich sehr früh der wachsenden Probleme bewusst und suchten schon in den Siebzigern nach Lösungen zur Erhaltung der Dörfer und zur Verbesserung der Lebensqualität in der gesamten Gemeinde. Sie entschieden sich bereits 1978, einige pilothafte Entwicklungsprojekte durchzuführen, die in erster Linie der Stärkung sozialer Bindungen und dem Erhalt qualitätvoller Lebensbedingungen gewidmet waren. Zugleich beeinflussten diese Projekte auch die ökologische und wirtschaftliche Entwicklung.

So wurde in jedem Dorf der Gemeinde ein Haus als Treffpunkt aller BewohnerInnen errichtet bzw. umgenutzt, die einem florierenden gesellschaftlichen Leben Raum geben. Auch die Sportanlagen zur gemeinsamen Freizeitgestaltung sind gut gepflegt und bewähren sich als wichtige Orte der Kommunikation.

Das zentrale Projekt der BewohnerInnen von Incourt in den letzten Jahrzehnten war die Nutzbarmachung des ehemaligen Steinbruchgeländes, einer großen Wunde mit vielen ruinösen Baukörpern inmitten der Gemeinde. Die BürgerInnen entschieden sich für die Heilung dieser Wunde, indem sie ein neues Zentrum mit verschiedenen Funktionen entwickelten: So entstand ein See, der heute verschiedene Vögel und Pflanzen beherbergt, und den BewohnerInnen für wunderschöne Spaziergänge dient. Ein Altgebäude wurde zum so genannten »Haus der Natur« umgenutzt und steht den BürgerInnen als Beratungs- und Fortbildungsstelle für alle Energiefragen zur Verfügung. Und nicht zuletzt wurde ein äußerst innovatives und erfolgreiches Projekt realisiert– eine Wohnanlage für alle Generationen, die von Nachbarschaftshilfe und gemeinsamer Fürsorge gekennzeichnet ist.

Besondere Erwähnung verdienen die gestützten Gemeinde-Mietwohnungen für junge Familien für einen befristeten Zeitraum von bis zu 6 Jahren. Wenn diese anschließend im Heimatort bauen, bekommen sie sogar ein Viertel der bezahlten Miete zurück. Eine ausgezeichnete Idee zur Förderung der Bleibebereitschaft junger Menschen!

Der Erhalt des kulturellen Erbes und die Pflege der Ortstraditionen genießen ebenfalls einen hohen Stellenwert. Eine Windmühle wurde authentisch restauriert und dient als Mittelpunkt für Feste und zur Präsentation alten regionalen Handwerks.

All diese Mosaiksteinchen konnten von den BewohnerInnen von Incourt in ein buntes Bild gefasst werden. Die Menschen sind zufrieden mit ihrem Werk und sich dessen bewusst, dass es in ihren Händen liegt, ihren Lebensraum gemeinsam lebenswert zu gestalten.

Vor allem sind sie stolz darauf, dass es ihnen gelungen ist, den ländlichen Charakter ihrer Gemeinde zu erhalten. Sie beabsichtigen, diesen Weg in Zukunft noch intensiver zu verfolgen. Ihre neue Programmperiode begann mit zahlreichen Arbeitstreffen, in denen sie die Aufgaben für das nächste Jahrzehnt festlegten: die Dörfer noch fester miteinander zu verbinden, die Sorge um die Natur zu betonen, die Beschäftigungsmöglichkeiten zu verbessern und das Angebot an Wohnungen zu erweitern.