Mompach, Luxemburg

Die Gemeinde Mompach, in der gegenwärtig 990 EinwohnerInnen leben, liegt in der Region Müllerthal und grenzt – durch den Fluss Sauer getrennt – an die rheinland-pfälzische Verbandsgemeinde Trier-Land. Die zentralen Ressourcen der Gemeinde liegen in ihrer facettenreichen naturräumlichen Ausstattung: Die Dörfer Born und Moersdorf befinden sich in flussnaher Lage, die Ortsteile Boursdorf, Givenich, Mompach und Herborn auf einer Hochebene. Die hauptsächlich land- und forstwirtschaftliche Prägung wird traditionell von Gesteinsabbau sowie inzwischen zaghafte touristische Ansätze flankiert.

Die ganzheitliche Gemeindeentwicklungsplanung besticht durch eine konsequent nachhaltige Ausrichtung, was sich in zahlreichen Projekten mit hohem Vorbildcharakter manifestiert. Dazu zählen vor allem eine umweltbewusste Waldwirtschaft, Holzhackschnitzelverwertung in kommunalen Gebäudekomplexen mit Fernwärmeversorgungsmöglichkeit für ein geplantes Wohngebiet, Unterstützung privater Initiativen zur alternativen Energiegewinnung, die Niedrigenergiebauweise der Primärschule Born und die Renaturierung des „Klengelbachs“ in der Ortslage Mompach.

Die Gemeinde setzt bei ihrem zentralen Thema umweltschonende Lebensweise neben der eigenen Vorbildrolle vor allem auf Bewusstseinsbildung: Im pädagogischen Alltag der Schule ist Klimaschutz fächerübergreifend präsent, im Gebäude erlebbar und an digitaler Tafel ablesbar. Schüler werden zu „kleinen Experten“ und sind so die Basis für einen Bewusstseinswandel in der Zukunft. Im Projekt „Mensch und Stein“ wird der regionale Rohstoff Stein „begreifbar“, gemeinsame Pflanzaktionen und Baumpflanzungen für Neugeborene schaffen Bezug und Verantwortung, und ein Naturwaldprojekt führt den Menschen vor Augen, wie sich selbst überlassene Natur sich entwickelt.

Das Instrument der Flurneuordnung wurde als Chance genutzt, den heutigen Bewirtschaftungserfordernissen hinsichtlich Flächengröße und Erschließung gerecht zu werden. Neben Landwirten und Waldbewirtschaftern profitierte auch die Umwelt: acht neue Biotope entstanden, zahlreiche landschaftsgliedernde Flurgehölze wurden angepflanzt.

Besonderen Wert legt die Gemeinde auf den Erhalt und die Neuanlegung der für die Kulturlandschaft typischen Streuobstwiesen und die Vermarktung der Streuobstprodukte erzielt auch einen wirtschaftlichen Effekt.

Beispielgebend sind die grenzüberschreitenden Kooperationsprojekte mit der Verbandsgemeinde Trier-Land in Deutschland: eine Fußgängerbrücke über den Grenzfluss Sauer, eine interkommunale Kläranlage als europäisches Pilotprojekt in Sachen Umweltschutz und ein gemeinsames Feuerwehrgerätehaus. Kooperation bei Ausbildung und Einsätzen gelten inzwischen als selbstverständlich.

Mit dem reichen baukulturellen Erbe aus unterschiedlichen Epochen wird sehr sorgsam umgegangen. Die vorbildliche Inventarisierung schützenswerter Gebäude war beispielgebend für eine nationale Initiative der luxemburgischen Denkmalbehörde, private Gebäudesanierungen und das Ortsbild von Herborn als Ensemble wurden mit der „Sonnenradplakette“ des Denkmalamtes ausgezeichnet. Neben der identitätsstiftenden Wirkung wird dieser Wert zunehmend auch als touristisches Vermarktungselement wahrgenommen. Die Gestaltung der öffentlichen Freiräume erfolgt planmäßig, der Prozess der Umsetzungsmaßnahmen ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

Eine Besonderheit hat die Gemeinde im Ortsteil Givenich aufzuweisen: Die dort seit Anfang des 20.Jahrhunderts etablierte offene Strafvollzugsanstalt ist in die direkte Nachbarschaft der bürgerlichen Bevölkerung eingebettet. Die Wiedereingliederungsaktivitäten des Vereins „Delfi-job“ sowie gemeinsame Veranstaltungen der BürgerInnen mit den Inhaftierten zeugen von großer Offenheit und Toleranz. Das ausgeprägte Vereinsleben, insbesondere im musikalischen Bereich, bindet alle Generationen ein, schafft durch zahlreiche Feste Zusammenhalt und stärkt das Heimatgefühl. Die Gemeinde trägt diesem Wert Rechnung, indem sie gemeinsam mit den BürgerInnen zeitgemäße multifunktionale Einrichtungen schafft. Dass dieses Ziel mit dem Erhalt und der Umnutzung historisch wertvoller Bausubstanz und effizienter Energienutzung einhergeht, versteht sich in Mompach von selbst.

Mompach überzeugt mit nachhaltiger, umweltschonender Land- und Waldwirtschaft, vorbildlichen Naturschutzprojekten, sorgsamem Umgang mit dem baukulturellen Erbe, beispielhaften Energiekonzepten, bürgerschaftlichem Engagement, zeitgemäßer sozialer Infrastruktur für alle Alters- und Interessengruppen und grenzüberschreitenden Kooperationsprojekten, die Ressourcen schonen und Menschen zusammenführen. Daher wurde Mompach mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechten Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet.