Schönbach, Niederösterreich, Österreich

Schönbach, eine Landgemeinde mit ca. 930 EinwohnerInnen inmitten des Waldviertels, ist durch eine reizvolle Landschaft und mit erschwerten Bedingungen für die Landbewirtschaftung – hoher Waldanteil, kleinteilige Besitzstruktur, Hanglagen – gekennzeichnet. Historisch bedeutsam ist das Dorf Schönbach mit seiner ca. 1450 erbauten Kirche als Wallfahrtsort und Durchgangsstation einer Rom-Wallfahrt zwischen Prag und Maria Zell; durch die restriktive Religionspolitik Kaiser Joseph II. ist diese Wallfahrt zum Erliegen gekommen. Auch der früher rege Besuch durch Urlaubsgäste aus der Bundeshauptstadt Wien hat drastisch abgenommen.

Die generellen Bemühungen der Gemeinde und der sehr engagierten Bürgerschaft sind – auf Grundlage eines Leader-Strategiekonzepts – darauf ausgerichtet, die Wirtschaftskraft durch Aktivitäten im landwirtschaftlichen, gewerblichen und kulturellen Bereich zu stärken. Insoweit ist sehr bemerkenswert, dass Schönbach trotz seiner dezentralen Lage abseits von überörtlichen Verkehrsadern in den letzten Jahren eine beachtliche ökonomische Basis aufgebaut hat: Neben den rund 120 landwirtschaftlichen Betrieben, davon ca. 50 im Vollerwerb, gibt es annähernd 50 Unternehmen im Sekundär- und Tertiärbereich, wovon allein 17 Betriebe mit ca. 40 Beschäftigten in den letzten 15 Jahren neu gegründet worden sind. Darunter befinden sich auch Neugründungen durch GemeindebürgerInnen, die ihre angestammte Heimat bereits verlassen hatten, in diese aber wieder zurückgekehrt sind. Dies  bestätigt eindrucksvoll die große Heimatverbundenheit der SchönbacherInnen, die die Grundlage für das generell festzustellende große Engagement der BürgerInnen bei der Neugestaltung ihres Lebensraumes bildet.

Für eine Landgemeinde überdurchschnittlich ist die Ausstattung mit Infrastruktureinrichtungen im Sport- und Freizeitbereich (Kinderspielplatz, großräumiges Sportgelände, Sporthalle, Schwimmbad), im Verwaltungssektor (neues Gemeindezentrum mit Bauhof) sowie in der Gastronomie. Neben drei Gastwirtschaften gibt es im ehemaligen Kloster auch eine kleine Privat-Brau-Werkstätte mit einem Bierausschank in einem stattlichen Gewölberaum, der für Urlaubsgäste eine besondere Attraktion darstellt.

Die Wärmeversorgung der Volksschule, des Gemeindezentrums und des Schwimmbades erfolgt durch ein Heizwerk, das mit Hackschnitzeln und Sonnenblumenkernen aus der Gemeinde betrieben wird. Die gesonderte Förderung von Sonnenkollektoren durch die Gemeinde ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Nutzung erneuerbarer Energie einen hohen Stellenwert genießt.

Die Aufgeschlossenheit der Dorfbevölkerung für Innovationen und zeitgemäße Erfordernisse zeigt eine Fülle von Aktivitäten im sozialen und kulturellen, aber auch wirtschaftlichen Bereich. Beispielhaft sind Initiativen zur flächendeckenden Breitbandversorgung, die Abhaltung von europäische Bauernmärkten, Die Installierung einer Bauernholzbörse, die generelle Ausbildung der Schulkinder in Erster Hilfe, die Anwendung von akustischen Methoden für gehirngerechtes Lernen in der Volksschule, der anstehende Umbau eines Klosterinnenhofes zu einer Theaterbühne, die Ausstellung der Schätze des ehemaligen Klosters im Pfarrhof sowie die Einrichtung und Betreibung einer Erlebniswerkstatt im neuen Gemeindezentrum einschließlich Vermarktungseinrichtungen im Kloster zur Wiederbelebung und Verwertung traditioneller handwerklicher Erzeugnisse auf wirtschaftlich tragfähiger Basis. Zwischenzeitlich werden in dieser Erlebniswerkstatt auch überregional Ausbildungslehrgänge für traditionelle Handwerkstechniken (Korbflechten, Erstellung von Holzschindeln, Seifenherstellung aus Rapsöl-Altbeständen), insbesondere auch für Jugendliche, durchgeführt. Der samt Umfeld sanierte Klosterkomplex zeugt von der Bereitschaft der Bewohner, das kulturhistorische Erbe zu bewahren.

Ein längerfristiges Projekt, das an die traditionell bedeutsame Rolle von Schönbach als Wallfahrtsort anknüpft, ist die Via lucis, ein von einem Sohn der Gemeinde gestifteter Kreuzweg, der in 14 Stationen das Positive im christlichen Glauben darstellen soll. Die Ausgestaltung dieses Kreuzweges soll durch Werke frei schaffender Künstler (jährlich je ein Objekt) in den nächsten Jahren erfolgen.

Die Gemeinde Schönbach ist durch ein außerordentlich hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement und die Bereitschaft zur Umsetzung innovativer Ideen, insbesondere zur wirtschaftlichen und kulturellen Belebung, gekennzeichnet. Herausragend erscheinen auch die Revitalisierung des Klosterkomplexes, die Bereitschaft zur Nutzung alternativer Energien und das erfolgreiche Bemühen um eine zeitgemäße Infrastrukturausstattung. Daher wurde Schönbach mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet.