Steffeshausen, Deutschsprachige Gemeinschaft, Belgien

Steffeshausen zählt 120 EinwohnerInnen und ist Teil der Gemeinde Burg-Reuland. In der sanften Hügellandschaft einer mit Arbeitsplätzen günstig ausgestatteten Grenzregion gelegen, präsentiert sich das Dorf vor allem als Wohnstandort mit hervorragender Lebensqualität. Ohne die Grundlage eines Dorf- oder Gemeindeentwicklungskonzeptes belegen die Aktivitäten der Bewohner/innen ein natürliches Gespür für einen umfassenden Ansatz zur Weiterentwicklung ihres Dorfes.

Die Verbundenheit der SteffeshausenerInnen mit ihrem Ort hat ihre Wurzeln in der gründlichen Beschäftigung mit der Vergangenheit. Neuester Beleg ist die aufwendige, kürzlich fertiggestellte Dorfchronik. Diese Verwurzelung ist gleichzeitig Chance für die Zukunft.

Die Wohnqualität des Dorfes veranlasst zum Bleiben, lockt Auswärtige an, die schnell integriert werden und führt Fortgezogene immer wieder zurück. Die Erhaltung, Pflege und gefühlvolle Weiterentwicklung des Ortsbildes dokumentiert sich sowohl im behutsamen Umgang mit alter ländlicher Bausubstanz, als auch in der zurückhaltenden Ergänzung durch gut eingefügte Neubauten. Das gebaute Kulturerbe, wie die vier Dorfkapellen oder das Kriegerdenkmal, und markante öffentliche Freiräume, wie die Dorfeingänge oder der Platz um die Kirche, wurden zielgerichtet in Eigenregie restauriert und werden von den DorfbewohnerInnen gepflegt.

Die Offenheit der Menschen spiegelt sich in den gepflegten und meist traditionell angelegten Gärten, die oft ohne massive Einfriedung auskommen, deutlich wider.

Die alles überragende Stärke von Steffeshausen aber ist die Selbstorganisation der EinwohnerInnen. Hier gibt es in der Person von Michel Dhur noch den „Dorfältesten“, der sein Mandat durch persönliches Vorbild, gemeinnütziges Engagement und ansteckende Begeisterungsfähigkeit erhält. Das gemeinsame Wirken an verschiedenen Projekten und die kulturellen Veranstaltungen mit dem Nachbarort Aul spiegeln den Zusammenhalt aller Generationen der Dorfgemeinschaft wieder, der als echter Lebenswert empfunden wird. Die von starker persönlicher Ausstrahlung getragene Gemeinschaft in einen Verein zu führen, würde den Prozess der Dorfentwicklung möglicherweise langfristig stabilisieren.

Große Bedeutung für Steffeshausen haben zweifellos die zwei noch ansässigen Milchviehbetriebe, die die umliegenden Weideflächen umweltbewusst bewirtschaften, sowie eine Bau- und Möbelschreinerei. Sie sorgen nicht nur für Arbeitsplätze und eine wirtschaftliche Belebung im Dorf, sondern unterstützen auch das ehrenamtliche Engagement der Dorfgemeinschaft.

Die Qualität der Landschaft der belgischen Eifel im Umfeld des lieblichen Ourtales birgt durchaus Chancen zur Ausweitung eines sanften Tourismus. Die Schaffung einiger Ferienwohnungen durch Umnutzung ehemals landwirtschaftlicher Bausubstanz beweist, dass hier bei rentabler Auslastung für die Zukunft noch Möglichkeiten zur Erschließung zusätzlicher Einkommensquellen gesehen werden.

Dass der Prozess der Dorferneuerung in Steffeshausen ohne wesentliche Hilfe und finanzielle Zuschüsse von außen und oben abläuft, unterstreicht, dass die Einstellung der Menschen und ihre Tatkraft der entscheidende Motor sind. Dennoch ist den Akteuren auf Dauer neben allgemeiner Anerkennung mehr Unterstützung zu wünschen. Dann wird der Weg zum Erfolg führen.

Steffeshausen in der belgischen Eifel kann mit dem Pfund einer herrlichen Landschaft im Dreiländereck Belgien-Luxemburg-Deutschland wuchern. Vom Ausgangspunkt eines traditionsgeleiteten Dorfes arbeitet eine selbstorganisierte intakte Gemeinschaft an der Zukunftsfähigkeit ihres Heimat. Die gemeinsame Umsetzung zahlreicher Kleinprojekte unter Einbeziehung aller Generationen sichert die starke Bindung der BewohnerInnen an ihren Lebensraum. Die Ansätze zur Entwicklung des sanften Tourismus werden als Chance gewertet. Dafür wurde Steffeshausen mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ ausgezeichnet.