Yagodina, Bulgarien

Yagodina ist ein Ortsteil der Gemeinde Borino und liegt mit 420 EinwohnerInnen auf rund 1.200 m Seehöhe in den westlichen Rhodopen, einem Kalkgebirge mit Höhenzügen bis zu 2.200 m. In der Vergangenheit war Yagodina nur sehr schwer erreichbar. Es gab sowohl zum bulgarischen Mutterland nach Norden als auch zum südlich angrenzenden Griechenland lediglich Wirtschaftswege und Saumpfade. Erst in den 1940er-Jahren wurde eine Straße in die engen Schluchten gesprengt.

Trotz der Höhenlage werden dank des günstigen Klimas Feldfrüchte, Gemüse und Beerenobst angebaut. Daneben gibt es traditionell Schaf- und Rinderhaltung mit eigener Milch-, Käse-, Fleisch- und Wollproduktion. Mit dem Ende der kollektivierten Landwirtschaft im Jahr 1989 wurde wieder verstärkt diese ganzheitliche Wirtschaftsweise betrieben – zunächst vor allem zur Eigenversorgung, ab dem Beitritt Bulgariens zur Europäischen Union im Jahr 2007 auch für den Markt. So gibt es sogar agrarische NeueinsteigerInnen, die ihre Produkte beispielsweise an die immer zahlreicher werdenden TouristInnen verkaufen.

Die bisherige Ungunstlage wurde im letzten Jahrzehnt immer stärker als Chance begriffen: Die landschaftlichen Potenziale werden konsequent für den Tourismus zugänglich gemacht. Erste eigenständige Wertschöpfungsketten wurden aufgebaut. Dafür haben auch Programme der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik der EU) wesentliche Impulse ausgelöst. So gibt es eine große Zahl von überregionalen Initiativen, die sich dem Aus- und Aufbau eines Wander- und Erlebnistourismus genauso widmen wie sozialen, bildungsorientierten und infrastrukturellen Themen. In acht derartigen Vereinigungen ist Yagodina vertreten, oft mit großem gestalterischem Einfluss. Das Aufgabenspektrum umfasst soziale Assistenzen für alte, alleinstehende oder behinderte Menschen, Bildungsangebote, die Erneuerung von technischer Infrastruktur und den Ausbau von touristischen Highlights (z. B. Erschließung einer Tropfsteinhöhle, Errichtung von Aussichtsplattformen, Rad- und Wanderwegen). Viele Aktivitäten sind Teil des Leader-Programmes, was eine starke Einbeziehung der örtlichen EntscheidungsträgerInnen gewährleistet.

Die Initiativen, die in Yagodina gesetzt wurden, tragen Früchte: Die Zahl der Nächtigungen steigt, die bereits bestehenden Beherbergungsbetriebe sind sehr gut ausgelastet, neue Hotels und Gästehäuser stehen kurz vor Fertigstellung. Parallel dazu wurden auch Geländetaxis als Serviceleistung eingerichtet, die die Gäste zu schwer erreichbaren Attraktionen bringen. Dabei setzt man auf einen Vier-Jahreszeiten-Tourismus, wofür sich das Klima durchaus eignet. Wesentlich sowohl für die Dorfgemeinschaft selbst als auch als zusätzlicher Anreiz im Tourismus sind gelebte Folklore und die Erhaltung des Brauchtums. Vor allem die Betonung der regionaltypischen Küche spielt eine wichtige Rolle.

Die noch sehr junge Dorferneuerung in Yagodina stellt sich als erfolgversprechend und gut vernetzt dar. Zweifelsohne konnte schon jetzt eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Potenziale und der Lebensqualität erreicht werden. Die Aufbauarbeit im Bereich des Tourismus verbunden mit hohem Bewusstsein für die landschaftlichen Potenziale und die intensive überregionale Vernetzung des Dorfes sind vorbildlich und zukunftsweisend.

Yagodina wurde dafür mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung ausgezeichnet.