Komlóska, Komitat Borsod Abaúj Zemplén, Ungarn

Komlóska ist ein Dorf mit etwa 300 EinwohnerInnen am nördlichen Rand der Tokajer Weinbauregion und am Fuße des Zemplener Gebirges gelegen. Das gesamte Gemeindegebiet befindet sich in einem Natura 2000-Schutzgebiet. Die Historie des Dorfes ist eng mit den Ruthenen, einer slawischen Volksgruppe mit griechisch-katholischem Glauben, verbunden, die mehrere hundert Jahre mit UngarInnen in Komlóska friedlich Tür an Tür lebten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Ruthenen und damit fast ein Drittel der Bevölkerung ausgesiedelt. Nur eine kleine Minderheit ist bis heute geblieben und bewahrte sich trotz weitgehender Assimilation ihre Sprache und ihren Glauben.

Komlóska sollte Ende der 1940er-Jahre vollständig aufgelöst werden. Der Gemeinde wurde die Selbstverwaltung entzogen und wirtschaftliche Aktivität untersagt. Erst 1990 bekam die Gemeinde ihr Selbstverwaltungsrecht zurück und von da an wurde eine dynamische Entwicklung vorangetrieben – noch bevor es staatliche Unterstützungsprogramme für die Dorferneuerung gab. Zunächst ging es darum, unter Einbeziehung der gesamten Bevölkerung, aller zivilgesellschaftlichen Gruppen, der lokalen Wirtschaft und der Kirche die elementaren Mängel zu beheben.

Seit damals wurden im Dorf verschiedene Initiativen gestartet, die sich inbesondere der Landwirtschaft, der Wirtschaft und dem Umweltschutz widmen. Die Dorfverwaltung unterstützt die Erzeugung und den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte durch die Schaffung einer Dachmarke und hilft jungen Familien dabei, Betriebe zu gründen und eigene kleine Anlagen zur Veredelung lokaler Produkte wie Obstsaft oder Ziegenkäse anzuschaffen. Hauptabnehmer für die auf diese Weise erzeugten Lebensmittel sind die örtlichen und regionalen Betriebsküchen.

Das Dorf hat sich einem bemerkenswerten Portfolio an Maßnahmen verschrieben. So etwa gelingt es im Rahmen des Projekts „ZeNa – Zemplen Zentrum für Nachhaltigkeit“, Kindern und Jugendlichen aus ungarischen Großstädten in Komlóska Umweltbildung zu vermitteln. Für mehr Mobilität steht den BürgerInnen ein eigener Gemeindebus zur Verfügung. Motivation zur Ortsbildpflege bieten die Dorfverschönerungstage genauso wie Wettbewerbe, bei denen die bestgepflegten und saubersten Häuser und Höfe prämiert werden. Geistige Nahrung und Kunstgenuss bieten die Zemplener Gedanken „Cum Deo“, eine in der Kirche stattfindende Vortragsreihe, oder das Musikfestival „Alles Natur!“. Die Stiftung „Pro Komlóska“ unterstützt sozial schwächer gestellte Menschen, vergibt Stipendien und unterstützt Forschungsprojekte zu örtlich relevanten Themen.

Großes Augenmerk wird auf eine gute Infrastruktur gelegt. Neben der Installation für Kabelfernseh- und Internetleitungen ist Komloska Initiator einer Bewegung, die in ganz Ungarn für den Erhalt kleiner Postfilialen im ländlichen Raum kämpft. Von großer Bedeutung ist auch die Pflege von Traditionen – der ungarischen und auch der ruthenischen. Im Ruthenischen Kultur- und Freizeitzentrum Komlóska wird die Kultur dieser Volksgruppe dank der Renovierung eines typischen ruthenischen Landhauses in authentischer Atmosphäre präsentiert.

Die vorbildliche Sorge um die Erhaltung der Tradition sowie die aktive Einbindung aller gesellschaftlichen Gruppen tragen wesentlich zum dörflichen Leben bei. Mit diesen Maßnahmen, dem geplanten Ökogewerbepark und innovativen wirtschaftlichen Impulsen wurde eine Entwicklung eingeleitet, die in die Zukunft weist.

Komlóska wurde dafür mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung ausgezeichnet.