Malé Dvorníky, Slowakei

Die Gemeinde Malé Dvorníky zählt 1.070 EinwohnerInnen und verfügt über 478 Arbeitsplätze. Ein strukturell einschneidendes Ereignis war 1990 die Wiedererlangung der kommunalen Eigenständigkeit, nachdem man zuvor drei Jahrzehnte mit der Nachbargemeinde fusioniert gewesen war. Diese Trennung bedeutete für Malé Dvorníky nicht nur neue Selbständigkeit, sondern war auch mit enormen Problemen verbunden, denn man verfügte über keine eigenen Infrastrukturen. Gemeindehaus, Kindergarten und Schulen mussten genauso erst errichtet werden wie Straßen, Geh- und Radwege. Die wechselhafte Geschichte des Ortes bringt es mit sich, dass mehr als 90 Prozent der EinwohnerInnen ungarischer Abstammung sind. Das Zusammenleben mit der slowakischen Bevölkerung funktioniert sehr gut. Ein Abwanderungsdruck ist nicht gegeben, was den im Rahmen der Dorferneuerung umgesetzten Maßnahmen zu verdanken ist.

Das Gebiet der Gemeinde liegt auf der größten Donau-Flussinsel, die gleichzeitig auch das größte Reservoir für Trinkwasser in Zentraleuropa darstellt. Das bedeutet, dass der Schutz von Boden und Grundwasser höchste Priorität genießt und den Entwicklungsprozess stark beeinflusst.

Erste Maßnahmen wurden bereits unmittelbar nach der Gemeindetrennung getroffen. Vor rund zehn Jahren wurde als logische Weiterführung ein umfassendes Entwicklungskonzept formuliert, das in intensiver Zusammenarbeit mit der Bevölkerung entstanden ist. Auf dieser Basis wurden schließlich Visionen und Ziele definiert und Maßnahmen zu deren Erreichung festgelegt. Als prioritär wurden dabei der Umweltschutz und langfristig das Erlangen energetischer Selbständigkeit definiert. Neben der ökologischen Komponente sollte auch der Tourismus gestärkt werden. In der Folge wurden in mehr als 40 bemerkenswerten kommunalen, regionalen und nationalen Projekten, die teilweise auch grenzüberschreitend waren, ausgesprochen dynamische Prozesse in Gang gebracht. Vielfach wurde dabei auch auf die Hilfe externer BeraterInnen zurückgegriffen.

Wichtige Projekte waren Initiativen zur Ortsgestaltung und zur Verbesserung der Infrastruktur wie die Errichtung des Gemeindehauses, einer Schule und eines Kindergartens sowie von Kinderspielplätzen und Erholungszonen. Zentrales Anliegen war und ist auch die Innenentwicklung, die in der Revitalisierung vorhandener Objekte und in der zentrumsnahen Errichtung von Wohnungen für junge Familien Ausdruck findet. Eine für alle GemeindebürgerInnen nutzbare Gemeindekantine und ein mobiler Hilfsdienst erleichtern vielen Menschen in Malé Dvorníky das tägliche Leben. Mit der Errichtung einer Wirtschaftszone konnten Betriebe angesiedelt und die lokale Wertschöpfung deutlich erhöht werden. In der Landwirtschaft wird auf ökologische Bewirtschaftung Wert gelegt. Der Ausbau eines sanften Tourismus ist voll im Gange. Auch Projekte in den Bereichen Kunst und Kultur wurden realisiert.

Wesentliches leistete die Gemeinde mit umfassender Umweltbildung, die dank ihres breiten Ansatzes alle Gruppen von EinwohnerInnen erreichte. Leuchtturmcharakter hat das nach Ungarn hin grenzüberschreitende Projekt „Sun is Life“: Für Strom, Heizungen und die Warmwassererzeugung wird auf Sonnenenergie gesetzt. Der gesamte Energieverbrauch der gemeindeeigenen Gebäude kann schon jetzt durch die installierten Anlagen gedeckt werden. Weitere Anlagen sind im Bau bzw. in Planung.

Generell sieht man sich in der Gemeinde trotz der Vielzahl an bereits umgesetzten Projekten noch lange nicht am Ziel. Eine Reihe von Maßnahmen in verschiedensten Feldern der Dorfentwicklung steht kurz vor ihrer Realisierung.

Malé Dvorníky wurde daher mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität ausgezeichnet.