Mals, Südtirol, Italien

Die über 247 km2 ausgedehnte Marktgemeinde Mals im Oberen Vinschgau zählt 5.113 EinwohnerInnen. Sie ist in zehn Fraktionen (Dörfer) aufgeteilt, die Höhenlagen von 978 bis 1738 m über dem Meeresspiegel aufweisen. Der Hauptort Mals ist über Schiene und Straße gut an die 55 km entfernte Stadt Meran angebunden. Im Landesvergleich gilt die Marktgemeinde als abgelegen und strukturschwach. Die Notwendigkeit, einem Bevölkerungsrückgang aktiv entgegenzuwirken, ist daher besonders hoch.

Vorangetrieben wird der Entwicklungsprozess unter starker Mitverantwortung der BürgerInnen. Generell gilt Mals als vorbildlich im Bereich der Basisdemokratie. Die neue „Verordnung zur Durchführung von Volksbefragungen“ in der Gemeinde beispielsweise ist für ganz Südtirol richtungsweisend. Die Gemeindeentwicklung folgt einem klaren und umfassenden Leitbild. Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energien, zum Umgang mit der Kulturlandschaft und der historischen Bausubstanz, zur alternativen Mobilität, zur Nahversorgung und zur Kinderbetreuung wurden in nur wenigen Jahren mit Elan und spürbaren Erfolgen verwirklicht.

Besondere Aufmerksamkeit erreicht die Gemeinde durch die geplante Volksabstimmung zu einer „pestizidfreien Gemeinde Mals“. Der Grund dafür: Der immer intensivere Obstanbau, der mit dem Ausbringen von Pestiziden verbunden ist, erfordert besondere Schutzmaßnahmen für angrenzende Grünland- und Ackerflächen. Da die Flächen in Mals eher klein strukturiert sind, ist dies ein schwieriges Unterfangen. Daher strebt man nun an, generell auf gesundheits- und umweltschädliche Pestizide zu verzichten. Dieses juristisch nicht ganz unumstrittene Ansinnen würde insbesondere die Existenz der zahlreichen Biobauern sichern, die durch Veredelung und Selbstvermarktung wichtige Wertschöpfungsketten betreiben.

Für das erklärte Ziel der Energieautarkie hat die Gemeinde ebenfalls wichtige Schritte eingeleitet: Allein durch den Bau bzw. Ausbau von sechs Kleinwasserkraft-Anlagen wird doppelt so viel Energie produziert, als gebraucht wird – mit dem Ergebnis, dass die Einnahmen aus dem Verkauf des überschüssigen Stroms das Budget enorm stärken. Besonderes Augenmerk legte man dabei auch auf die architektonische Gestaltung der Anlagen und ihre sensible Einbettung in die Kulturlandschaft. Projekte zur Biodiversität und zur Renaturierung ergänzen den sorgsamen Umgang mit der Natur.

Vorbildlich ist auch das umfassende alternative Mobilitätskonzept der Gemeinde Mals. Dazu gehören die wieder in Betrieb genommene Vinschger Bahn, Carsharing, Citybus, kostenfrei zur Verfügung gestellte Elektrofahrräder und vieles mehr. Die Projekte, deren Ziel es ist, den PKW-Verkehr zu minimieren, wirken sich auch positiv auf die Innenentwicklung von Mals aus. Der Ortskern gehört wieder den FußgängerInnen und RadfahrerInnen.

Um den Leerstand zu senken, kauft die Gemeinde baufällige Bausubstanz auf und stellt sie Bauwilligen günstig zur Verfügung. Auch investiert sie in sozialen Wohnungsbau im Zentrum, während „auf der grünen Wiese“ kein Bauland mehr ausgewiesen wird. Die in Gang gesetzte Revitalisierung zeugt von einem hohen Bewusstsein für architektonische Qualität.

Die Auszeichnung zur „Kinderfreundlichen Gemeinde Südtirols 2014“, das hohe ehrenamtliche Engagement in 80 Vereinen und in diversen sozialen Diensten, Jugendgemeinderat, Tauschkreis, Bibliotheken, das hochkarätige Festival „Literatur an der Grenze“ und nicht zuletzt das visionäre Bekenntnis zur Gemeinwohl-Ökonomie sind nur einige weitere Stichworte, die für die hohe Lebensqualität in der Gemeinde sprechen.

Mals wurde daher mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität ausgezeichnet.