Hohenseefeld, Brandenburg, Deutschland

Hohenseefeld mit seinen rund 400 EinwohnerInnen ist 1952 durch den Zusammenschluss der Orte Niederseefeld und Hohenseefeld entstanden, die durch einen Graben getrennt waren, der einst auch die Länder Sachsen und Preußen teilte. Zwischenzeitlich ist der mühsam zusammengewachsene Ort Hohenseefeld einer von 23 Ortsteilen der Gemeinde Niederer Fläming. Das nächst gelegene Zentrum, die Stadt Jüterbog, ist 24 Kilometer entfernt, nach Potsdam sind es 85 und nach Berlin rund 100 Kilometer.

Die Bevölkerungszahl ist seit 2001 deutlich rückläufig, weshalb der Schwerpunkt im Bereich der Siedlungsentwicklung in der Erhaltung der beiden Dorfkerne, der Vermeidung von Leerstand und der Lückenbebauung liegt. Die überwiegend alte und hinzugekommene neue Bebauung bilden dabei eine harmonische Einheit.

Aus ökonomischer Sicht stützt sich Hohenseefeld auf zwei Standbeine, nämlich die Nahrungsproduktion für die Landeshauptstadt Potsdam und die erneuerbare Energie, insbesondere die Windenergie. Früher gab es hier keine Gutsherren, sondern nur freie Bauern mit ihren Vierseithöfen, von denen viele noch erhalten und originalgetreu restauriert sind, obwohl die meisten Betriebe zu DDR-Zeiten kollektiviert waren. Heute werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen von einem im Dorf ansässigen landwirtschaftlichen Betrieb und zwei Agrargenossenschaften bewirtschaftet. In der rund 3.200 EinwohnerInnen zählenden Gemeinde Niederer Fläming stehen 28 Windräder, sieben weitere sind geplant. Der Flächenwidmungsplan der Gemeinde steht kurz vor der Genehmigung, um d

ie Errichtung neuer Windparks in geordnete Bahnen zu lenken.

Im Dorf gibt es darüber hinaus ca. 40 größere und kleinere Unternehmen, die Frauenerwerbsquote ist überdurchschnittlich hoch. Der öffentliche Personenverkehr ist gut ausgebaut, zusätzlich sorgt das System des Rufbusses für mehr Mobilität. Die soziale Infrastruktur mit Kindertagesstätte, Naturkindergarten, Sozialstation, Physiotherapie und Zahnärztin im Ort ist gegeben. Sämtliche Schulen befinden sich im Umkreis von 25 Kilometern und sind öffentlich erreichbar.

Die Wiedervereinigung stellte einen großen Einschnitt in die gesellschaftliche Struktur dar und zog eine starke Abwanderungswelle nach sich. Erst seit kurzem wird die Lebensqualität des Dorfes wiederentdeckt. Impulsgeber dafür war 2012 die Entscheidung zur Teilnahme am Kreiserntefest und am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“: Stärken und Schwächen wurden analysiert, Entwicklungspotenziale identifiziert. Auch wenn es kein klares Leitbild gibt, definierte man konkrete Projektvorhaben In einem Klimaschutz- und Energiekonzept. Teilweise sind diese bereits verwirklicht, teilweise stecken sie noch in der Planungs- oder Umsetzungsphase. Sie reichen von nachhaltiger Energieversorgung und umweltfreundlicher Mobilität (E-Mobilität, Car-Sharing) über Maßnahmen im Bereich der Ortsbild- und Grünraumpflege, die Sicherung der medizinischen und sonstigen Nahversorgung (Dorfladen, physikalische Gefäßtherapie) bis hin zur Einrichtung von gesellschaftlichen Treffpunkten und Freizeitmöglichkeiten (Dorfplatz mit Fa

milien- und Mehrgenerationenzentrum, Neugestaltung der Turnhalle).

Das gesellschaftliche Miteinander wird bei der Umsetzung der Projekte wie auch im alltäglichen Leben groß geschrieben. Es wird dabei auch versucht, die Gratwanderung zwischen der Offenheit für Neues einerseits und dem Erhalten und Weitergeben von Traditionen andererseits zu bewältigen. Beachtlich ist das hohe ehrenamtliche Engagement, vielfach in einem der 14 aktiven Vereine organisiert, das die Umsetzung mancher Maßnahmen überhaupt erst ermöglicht.

Evaluiert: 2016

 

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