{"id":1382,"date":"2016-03-17T12:24:45","date_gmt":"2016-03-17T11:24:45","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/?p=1382"},"modified":"2022-03-06T19:39:23","modified_gmt":"2022-03-06T18:39:23","slug":"urnaesch-appenzell-ausserrhoden-switzerland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/de\/urnaesch-appenzell-ausserrhoden-switzerland\/","title":{"rendered":"Urn\u00e4sch, Appenzell Ausserrhoden, Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Urn\u00e4sch z\u00e4hlt etwa 2.270 Einwohnerinnen und ist mit einer Fl\u00e4che von 4.823 ha die fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Gemeinde des in der Ostschweiz gelegenen Kantons Appenzell Ausserrhoden. Mitte der 1990er Jahre hatten sich die Urn\u00e4scher Gemeindebeh\u00f6rden entschlossen, etwas gegen den Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen und die Abwanderung zu unternehmen.<\/p>\n<p>In einer breit angelegten Bev\u00f6lkerungsbefragung wurden Ideen gesucht, die dann unter dem Motto: \u201eMittenand vorw\u00e4rts\u201c diskutiert und in Bezug auf verschiedene m\u00f6gliche Sto\u00dfrichtungen bewertet wurden. Dabei gab man aufgrund der nat\u00fcrlichen Voraussetzungen und der bereits vorhandenen Infrastruktur einer verst\u00e4rkten touristischen Entwicklung den Vorzug. Eine Arbeitsgruppe erhielt 1999 den Auftrag, ein konkretes, praktisch realisierbares Projekt zu entwickeln. Die Richtung stand schon in der Startphase fest: Urn\u00e4sch verkraftet nur einen sanften, nachhaltigen Tourismus, der auf vorhandenen Potenzialen basiert. Dieser Ansatz deckte sich auch mit den Ergebnissen einer Untersuchung der ETH-UNS.<\/p>\n<p>Kern des Projektes war eine Feriendorf-Anlage auf verkehrsg\u00fcnstig gelegenem gemeindeeigenem Grundst\u00fcck, das von der REKA ( Schweizerischer Reisekasse ) betrieben werden sollte. Gemeinsam mit der REKA wurde schlie\u00dflich vereinbart, dass das Feriendorf durch eine didaktische Leitlinie zu charakterisieren w\u00e4re: das Verst\u00e4ndnis, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, f\u00fcr die praktizierende Land- und Forstwirtschaft sowie f\u00fcr die Appenzeller Kulturlandschaft zu\u00a0F\u00f6rdern und eine Vorstellung von zukunftsf\u00e4higer Bewirtschaftung zu geben.<\/p>\n<p>Mit dieser Entscheidung war klar, dass das REKA-Projekt in eine umfassende \u00f6kologische und auf strikte Nachhaltigkeit abzielende Dorferneuerung einzubetten war: demonstrativ \u00f6kologische Ausrichtung der ins Projekt eingebundenen \u201eAktivbauernh\u00f6fe\u201c; innovative, biologische\u00a0Milchverwertung; naturnahe Forstwirtschaft mit sorgf\u00e4ltiger Sortierung des Einschlages; Energiegewinnung aus Biomasse; Pflege bzw. Instandsetzung von historischen Bauten in den Streulagen und im Dorfkern.<\/p>\n<p>Die Proponenten des Projektes verfolgten mit dem Feriendorf weitere ehrgeizige Ziele: eine Demonstration des \u201eNeuen Bauens in Appenzell\u201c, weitest gehende Verwendung von lokal gewonnenem, nicht behandeltem Bauholz, minimaler Energieverbrauch und h\u00f6chste Qualit\u00e4t bei limitierten, unterdurchschnittlichen Kosten. Der Bregenzer Architektengemeinschaft Gnaiger\/Dietrich\/Untertrifaller, die f\u00fcr das Bauvorhaben gewonnen werden konnte, gelang es, auch die zun\u00e4chst traditionalistisch ausgerichteten Gruppen der Bev\u00f6lkerung davon zu \u00fcberzeugen, dass keines der innovativen Ziele unter einem neofolkloristischen Baugestaltungsprogramm erreicht werden k\u00f6nne. So wurde schlie\u00dflich eine verdichtete, zweigeschossige Flachbauweise gew\u00e4hlt, die Aussicht und Besonnung sowie schonende Einbettung in die gegebene h\u00fcgelige Landschaft bietet. Zugleich wurden die optische Bedeutung der angrenzenden stattlichen Appenzellerh\u00f6fe und deren Blick in die Landschaft belassen.<\/p>\n<p>Die Gemeinde \u00fcbergab das Projekt der neu gegr\u00fcndeten Feriendorf Urn\u00e4sch AG, die das notwendige Eigenkapital von 11 Millionen SF (Schweizer Franken) bei gesch\u00e4tzten Baukosten von 19 Millionen SF beschaffen musste. Die H\u00fcrde wurde \u00fcbersprungen: \u00dcber 800 Personen zeichneten Aktien, den Rest finanzierten der Kantonsrat von Appenzell Ausserrhoden sowie verschiedene regionale Stiftungen. Nach mehrj\u00e4hriger Vorbereitungs- und Planungsphase erfolgten im Mai 2006 der symbolische Spatenstich und gut eineinhalb Jahre sp\u00e4ter Anfang 2008 die \u00dcbergabe der fertig gestellten Bauten an die Schweizer Reisekasse.<\/p>\n<p>Der Bau des REKA-Dorfes gab Anstoss f\u00fcr eine Reihe weiterer aufeinander abgesimmte, miteinander vernetzte und Synergien zeitigende Projekte. Allem voran sind das die Errichtung einer Holzschnitzelfeuerungsanlage zur W\u00e4rmeversorgung der Ferienanlage sowie etlicher Gewerbe- und Wohnbauten und die Gr\u00fcndung des Vereines Urholz durch lokal verwurzelte Firmen. Ziel dabei ist es, Holz aus der Region \u00f6kologisch sinnvoll zu nutzen und mit einem hohen Qualit\u00e4tsstandard zu verarbeiten. Nicht zuletzt sei auf ein mehrteiliges landwirtschaftliches Regionalprojekt verwiesen, das auf einer engen Verschr\u00e4nkung von Landwirtschaft, Tourismus und Gewerbe basiert und vorrangig der den Themen Milchverarbeitung, der Verbesserung der agrotouristischen Infrastruktur und Naturerlebnis gewidmet ist.<\/p>\n<p>Die Gemeinde Urn\u00e4sch ist ein beeindruckendes Beispiel f\u00fcr eine h\u00f6chst erfolgreiche Trendumkehr vom Abwanderungsraum zum vorbildhaften Innovationsstandort. Herzst\u00fcck der Entwicklungsma\u00dfnahmen ist die Errichtung eines REKA-Feriendorfes als Referenzprojekt f\u00fcr nachhaltige, qualit\u00e4tvolle Architektur und Bautechnik im l\u00e4ndlichen Raum. H\u00f6chste Anerkennung verdienen dabei auch die Finanzierung und die Realisierung des Projektes, die auf einem optimalen Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik unter starker Einbindung der Bev\u00f6lkerung basieren. Dar\u00fcber hinaus wird am Feriendorf deutlich, was Urn\u00e4sch insgesamt auszeichnet: Es steht f\u00fcr eine Beispiel gebende Vernetzung von nat\u00fcrlichen, landwirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ressourcen mit neuen Wertsch\u00f6pfungsketten, die die Einkommenschancen und die Lebensqualit\u00e4t aller EinwohnerInnen zu verbessern imstande ist.<\/p>\n<p><em>Evaluiert: 2008<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div data-gallery-style=\"\" id='gallery-1' class='gallery galleryid-1382 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/06-08-06_2035.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/06-08-06_2035-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/06-08-06_2052.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/06-08-06_2052-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/06_10_0551.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/06_10_0551-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/06_10_02131R.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/06_10_02131R-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/2-IMG0095.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/www.ruralroadmap.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/2-IMG0095-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl>\n\t\t\t<br style='clear: both' \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urn\u00e4sch z\u00e4hlt etwa 2.270 Einwohnerinnen und ist mit einer Fl\u00e4che von 4.823 ha die fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Gemeinde des in der Ostschweiz gelegenen Kantons Appenzell Ausserrhoden. 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