Hohe Börde, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Die Gemeinde Hohe Börde liegt im Nahbereich der Stadt Magdeburg und ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Entstanden ist sie im Jahr 2010 aus der Zusammenführung von 14 selbständigen Gemeinden. Mit einer Fläche von 172 km2 und 18.400 EinwohnerInnen begann die „junge“ Gemeinde, sich mit aller Kraft aus den Fesseln der ehemaligen DDR-Strukturen zu befreien und neue Wege einzuschlagen.

Nach der Wende wurden die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs) privatisiert und Betriebsgrößen von 100 bis 400 ha geschaffen. Die Hohe Börde ist mit Böden bester Bonität ausgestattet und verfügt daher über große landwirtschaftliche Potenziale. Die Landwirtschaft ist hoch mechanisiert und auf Ackerbau – allem voran Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben – spezialisiert. Die Erzeugung von Biomasse für die Energiegewinnung ist aufgrund der hohen Bodenqualität mit fünf Prozent reglementiert. Eine große Rolle spielt auch die Windenergie.

Die Nahversorgung und mit ihr die regionale Wertschöpfung jenseits der Landwirtschaft umfasst in erster Linie Gewerbe- und Handelsbetriebe entlang der nahe gelegenen Autobahn und zumeist kleinere Läden in den Dörfern. Auch ist es gelungen, im Zusammenhang mit Biolandwirtschaft und Direktvermarktung ein interessantes Projekt auf dem Gut Glüsig zu starten, das künftig ein Mehr an Wertschöpfung bedeutet. Mit dem Holunder-Kontor in einer ehemaligen Bruchsteinscheune im Ortsteil Niederndodeleben wurde darüber hinaus ein Informations- und Dokumentationszentrum für den schwarzen Holunder geschaffen. Aus dem dazugehörigen Holundergarten werden zahlreiche Spezialitäten gewonnen und vertrieben.

In den Dorfkernen bemüht man sich, prägnante alte Gebäude wie die so genannten „Rübenvillen“ zu erhalten und leer stehende Objekte zu revitalisieren. Auch werden Kirchen vielfach umfunktioniert und Dorfgemeinschaftshäuser für die Bevölkerung als kulturelle Treffpunkte eingerichtet. Dadurch soll vor allem auch der ursprüngliche Orts- bzw. Gemeindebezug in der Großgemeinde Hohe Börde erhalten bleiben. Zur Stärkung der Identität mit der neuen Großgemeinde wurde der Bürgerverein „Stiftung Leben in der Hohen Börde“ ins Leben gerufen.

Auffällig ist die Vielfalt an zeitgemäßen sozialen Einrichtungen, etwa ausreichend vorhandene Kinderbetreuungsplätze und Schulen, dank derer es nicht zuletzt gelungen ist, die Abwanderung einzudämmen und die Bevölkerung in den Orten konstant zu halten. Ein interessantes Pilotprojekt stellt das von der Caritas betriebene Gut Glüsig dar: Hier werden Menschen mit besonderen Bedürfnissen in den Produktionsbetrieb der Biolandwirtschaft integriert. Parallel dazu werden auch „Begegnungstage“ mit SchülerInnen der umliegenden Städte durchgeführt, die das Verständnis für die Landwirtschaft und für das Zusammenleben mit Behinderten fördern.

Ein generationenfreundliches Miteinander steht in der Gemeinde an oberster Stelle, Bürgerbeteiligung, Mitbestimmung und die gemeinsame Erarbeitung von Zielen und Handlungsfeldern in den einzelnen Ortsteilen werden vorangetrieben. Sie stehen aber wegen der kurzen Entwicklung als so große Verwaltungseinheit noch am Anfang.

Mit der Gemeinde als Impulsgeberin unter der Führung einer sehr engagierten Bürgermeisterin konnte eine beachtliche Menge an öffentlichen Geldern in die Region geleitet werden, die in einer ersten Phase zunächst für Sanierungsmaßnahmen verwendet wurden und nun die Realisierung unterschiedlichster Projekte ermöglichen. Die dynamische Vorgangsweise ist zukunftsweisend und von vorbildlichem Charakter.

Die Hohe Börde wurde dafür mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung ausgezeichnet.