Jützenbach, Thüringen, Deutschland

Die Gemeinde Jützenbach liegt in der Mitte Deutschlands am „Grünen Band“, das den Verlauf der ehemaligen innerdeutschen Grenze markiert. Die Einwohnerzahl von ca. 570 ist in den letzten zwölf Jahren fast konstant geblieben, während sie sich im Landkreis Eichsfeld um mehr als 7 % verringerte. Eine waldreiche Umgebung, liebevoll gepflegte Häuser und gut erhaltene Fachwerkbauten charakterisieren den Ort ebenso wie eine soziale Gemeinschaft mit ausgeprägter kirchlicher Orientierung. Auch zu DDR-Zeiten blieb man eine katholische Enklave und der Glaube wurde zum Instrument des Widerstandes gegen das Regime.

Jützenbach hat bereits vor der Wende das Motto „Neue Energie für ein starkes Miteinander“ gelebt und nach der Wiedervereinigung noch konsequenter umgesetzt. Die Entwicklung ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und zielt darauf ab, einen stabilen, zukunftstauglichen Ort mit einem kinder- und familienfreundlichen Umfeld zu gestalten. Der Aufbau des sanften Tourismus, speziell im Zusammenhang mit dem ökologisch wertvollen „Grünen Band“, wird gefördert. Rund 90% der BürgerInnen sind Auspendler und nahezu alle finden Arbeit.

Die Flur, ein abwechslungsreiches Landschaftsbild zwischen Grün- und Ackerland, ist als benachteiligtes Gebiet ausgewiesen. Neben einer landwirtschaftlichten Gesellschaft, gibt es drei landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe. 1999 wurde ein Regelflurbereinigungsverfahren für ca. 1400 ha gestartet, das im speziellen einen naturnahen Ausbau der Fließgewässer, geordnete Besitzverhältnisse und eine zeitgemäße Erschließung der Fluren vorsieht. Teile der Gemeinde befinden sich im Fauna-Flora-Habitats-Gebiet, das seltene Fledermausarten, Wildkatzen und Brutstätten des Schwarzstorchs beherbergt.

Mit großem Engagement arbeitet die Bevölkerung an der Gestaltung ihres Dorfes und festigt damit die Gemeinschaft. Historische Gebäude und Plätze wurden vielfach ehrenamtlich restauriert und werden als Orte der Begegnung genutzt. Beispiele dafür sind der neu gestaltete Dorfanger und das sanierte Dorfgemeinschaftshaus in der ehemaligen Zigarrenfabrik, in das auch das Bürgermeisteramt und ein interkommunaler Kindergarten, der das Miteinander in der Region fördert, integriert ist. Das Feuerwehrhaus, in dem regelmäßige Schulungen und Übungen der Jugendfeuerwehr abgehalten werden, wurde in vielen freiwilligen Arbeitsstunden neu errichtet. Im ehemaligen Schulgebäude, neben der Kirche, wurde ein Verkaufsladen mit angeschlossener Fleischerei eingerichtet. So kann der Kirchgang mit dem Einkauf verbunden werden. Die Dorfgaststätte konnte als Treff- und Kommunikationspunkt erhalten werden. In der Siedlungsentwicklung setzt die Gemeinde vorrangig auf die Umnutzung historischer Bausubstanz und das Schließen von Baulücken im Ortskern. Um den Wohnraumbedarf zur Gänze zu decken, wurden durch Ergänzung und Ortsabrundung neue Wohnbauflächen geschaffen.

„Gender-Mainstreaming in der Dorferneuerung“ ist dem Land Thüringen ein Anliegen und Jützenbach wurde dafür als Pilotprojekt ausgewählt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse im Sinne der Chancengleichheit der Geschlechter wurden landesweit umgesetzt.

Jützenbach zeichnet sich für die beispielhafte Sanierung und nachhaltige Nutzung der schützenswerten alten Bausubstanz, die Förderung der dörflichen Kommunikation, das breite Engagement der BürgerInnen und die Entwicklung zu einem hochwertigen Wohnstandort aus.