Eicklingen und Wienhausen, Niedersachsen, Deutschland

Die Gemeinden Eicklingen und Wienhausen zählen 7.500 EinwohnerInnen und sind Bestandteil der Gesamtgemeinde Flotwedel im Landkreis Celle.

Nachdem die „Arbeitsgruppe Dorf und ländlicher Raum an der Universität Hannover“ im Jahre 1993 unter breiter Beteiligung der BürgerInnen eine Entwicklungsstudie sowie Leitbilder für einzelne Themenfelder erarbeitet hatte, wurden die beiden Gemeinden 1997 in das Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen aufgenommen. Danach wurden in überörtlichen Arbeitskreisen die Leitbilder genauer definiert und mit Projektideen und ersten Maßnahmen mit Leben erfüllt. Das Ergebnis: eine soziokulturelle Dorferneuerungsplanung im Flotwedel mit einer „ortsübergreifenden Entwicklungsplanung der Gemeinden Eicklingen und Wienhausen“ als „Konzept des regionalen Handelns“.

Resultat dieses Prozesses sind einige innovative und wegweisende Leuchtturmprojekte. So haben vor allem ein dezentrales Abwasserkreislaufkonzept und die Ausweisung eines Neubaugebietes, das ökologischen Anforderungen und den regionalen Bauweisen und -materialien entspricht, dazu geführt, dass die Gemeinde Wienhausen als Expo-Dorf 2000 auserkoren wurde, was den Entwicklungsprozess weiter stimulierte.

So verwundert es fast nicht, dass man den Mut aufbrachte, ein bäuerliches Vierständer-Fachwerkhaus nicht nur abzutragen und in Bockelskamp-Flackenhorst als Dorfgemeinschaftshaus wieder aufzubauen, sondern auch durch eine Niedrigenergiebauweise zu einem zukunftsweisenden Projekt denkmalschützender Umnutzungen zu machen.

Die Sanierung und Umfunktionierung des historischen Amtshofgebäudes in Eicklingen zum „Niedersächsischen Informations- und Kompetenzzentrum für den ländlichen Raum“, verbunden mit einem Existenzgründerzentrum für junge Unternehmen, ist ein weiteres gutes Beispiel gelungener Zusammenarbeit der Dorfgemeinschaft mit ExpertInnen und zeugt von einfühlsamer und zeitgemäßer Renovierung alter Bausubstanz. Das Bewusstsein für die Bedeutung der beeindruckenden Baumbestände sowie der alten Höfe und Nebengebäude ist hoch und die Kreativität, sie neuen Nutzungen zuzuführen, reichlich gegeben.

Die Eckpunkte einesFremdenverkehrskonzeptes, erstellt von Studierenden der Universität Lüneburg, sind in den Dorferneuerungsprozess eingeflossen und sollen dazu führen, vorhandenes touristisches Potenzial, wie insbesondere das Kloster Wienhausen, das jährlich zwei Millionen Gäste anzieht, noch besser und vor allem mit höherer Wertschöpfung zu nutzen. Durch die Umnutzung mehrere Gebäude zu einem Hotel – in Zusammenarbeit mit externen Partnern – erhält das direkte Umfeld des Klosters eine zukunftsweisende Zweckbestimmung. Dazu gehört auch die Einrichtung eines wöchentlichen Dorfmarktes, der zur besseren Vermarktung regionaler Produkte beiträgt.

Ein von den Einwohnern selbst angelegter Kinderspielplatz, die Wiederherstellung der „Kannenbank“, die Errichtung einer Grillhütte und die Renovierung des Dorfbrunnens in Eicklingen sind nur einige Beispiele hoher Eigenleistung der Bevölkerung, Zeugen gut funktionierender Dorfgemeinschaften und einer intakten Vereinslandschaft.

Die Gemeinden Eicklingen und Wienhausen weisen in ihren Dörfern sehr intakte Dorfgemeinschaften auf, die in qualitativ sehr guten Einzelprojekten, gepaart mit einer hohen Arbeitsbereitschaft der DorfeinwohnerInnen, Zukunft geschaffen haben. Das Projekt der dezentralen Abwasserklärung sticht dabei als besonders innovativer Beitrag neben vielen sehr gelungenen Sanierungen und Umnutzungen von Altbausubstanz besonders hervor. Eicklingen und Wienhausen wurden dafür mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ ausgezeichnet.